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„Mitgift“: Vielbeachtete Geschichte einer Bauernfamilie

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17:19 26.11.2021
Vertraut mit Kiel: Autor Henning Ahrens.
Vertraut mit Kiel: Autor Henning Ahrens. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

. Er ist Lyriker, Erzähler und nicht zuletzt ein hochproduktiver Übersetzer – Henning Ahrens, dessen Roman „Mitgift“ mit einem Platz auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021 gewürdigt wurde. Bestens gelaunt, stellte er die vielbeachtete Familiengeschichte im Literaturhaus Schleswig-Holstein vor und nutzte die Gelegenheit, über das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion zu plaudern.

Zwischen Fiktion und Wahrheit

Der an der CAU promovierte Anglist hat sich zunächst als Verfasser von Gedichten einen Namen gemacht, bevor seine gern als „magisch-realistisch“ bezeichneten Romane erscheinen konnten. „Mitgift“ ist deutlich näher an der Wirklichkeit orientiert: „Ich habe nach zwei gescheiterten Anläufen erkannt, dass der Stoff realistische Anreize braucht“, meint Ahrens und ergänzt: „Anfangs hatte ich Entzugserscheinungen, weil ich das Fantastische mag.“

Episoden aus der Geschichte einer Bauernfamilie

„Mitgift“ erzählt die Geschichte einer niedersächsischen Bauernfamilie, die vom Jahr 1962 ausgeht, aber in episodischer Form bis ins 18. Jahrhundert reicht. Im Mittelpunkt steht der Landwirt und Kriegsheimkehrer Wilhelm Leeb, der zwar nicht in die Verbrechen der Nationalsozialisten verstrickt war, jedoch von diesen wusste und zudem aus Geltungssucht versuchte, die Situation zu seinen Gunsten zu nutzen.

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So hatte er im März 1944 als eingesetzter „Landwirtschaftsführer“ in der Ukraine zunächst „auf einen fetten Batzen“ Land gehofft, sich dann aber vor den heranrückenden russischen Truppen nach Rumänien zurückziehen müssen. Eine Episode aus dem Jahr 1949 schildert hingegen die Versuche von Wilhelms Sohn, mit der Tochter des Friseurs anzubändeln, was nicht ohne Kommentare seiner Freunde abgeht. Jahre später wird er nach endlosen Schikanen durch seinen Vater den Freitod wählen.

Bisher gab es noch keine Proteste aus Peine

„Der Roman ist nicht autobiografisch, ich komme ja gar nicht darin vor“, erläutert Ahrens und sagt über seinen Großvater, der die Vorlage zu der Figur des Wilhelm abgab: „Er war ein herrischer Charakter, was sich auf das Verhältnis zu meinem Vater auswirken musste.“ Tagebücher und Dokumente hätten ihn, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, bei der Niederschrift unterstützt, die „zu 20 Prozent“ auf Fakten beruhen würde – der Rest sei dann allerdings Fiktion. Bei der Recherche wäre ihm das Internet sehr hilfreich gewesen: „Da liegt ein großer Schatz, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann.“ Und: Proteste aus Peine habe es wegen des Romans bislang nicht gegeben – aber: „Das kann ja noch kommen.“

Henning Ahrens: Mitgift. Klett-Cotta, 352 S., 22 Euro

Von Von Kai U. Jürgens