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Kultur Im Louvre unter Reet
Nachrichten Kultur Im Louvre unter Reet
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10:47 27.07.2019
Von Konrad Bockemühl
Leonardos Werkstatt in Hasselburgs Reetscheune: Buntes Bühnengeschehen um einen wichtigen Auftrag für den Meister. Quelle: bkm
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Hasselburg

In diesem Sinne verwandelt sich die imposante Reetscheune diesmal in den Denon-Flügel des Louvre, wo das Gemälde der Mona Lisa allem anderen die Schau stiehlt. In Paris bewundern Touristen die rätselhafte Schöne mit dem geheimnisvollen Lächeln, während – Szenenwechsel – gut 500 Jahre zuvor der italienische Meister mit seinen stetig streitenden Schülern und seiner burschikosen Haushälterin in der Maler- und Erfinderwerkstatt auf den großen Auftrag wartet. Auf zwei zeitlichen Ebenen spielt das Stück, das Theaterdramaturgin Ulrike Stern zur Musik Stahlbergs geschrieben hat. Die langjährige Ohnsorg-Regisseurin und -Schauspielerin Sandra Keck hat es für ein junges, achtköpfiges Musicalteam inszeniert, Stefan Hiller (Musikalischer Leiter am Ohnsorg-Theater) spielt im Hintergrund seine Arrangements.

Wenn Mona Lisa aus dem Rahmen steigt

Auf der dreiseitig einsehbaren Bühne geht es temperamentvoll zu. Da verlässt auch die sanfte Mona Lisa (Noraleen Aurelie Amhausend) bisweilen ihren Rahmen, um im aktuellen wie im historischen Geschehen mitzumischen. Neben ihr und Leonardo (Oliver Hoß) stehen im Mittelpunkt der kurzweiligen und durchaus gesellschaftskritischen Geschichte der Museumsführer Simon (Valentino Karl) und die forsche US-Forscherin Kylie Miller (Janina Keppel) und deren sehr unterschiedliche Beziehung zu Motiv und Meisterwerk.

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Er verklärt, sie abgeklärt

Verklärt – abgeklärt: Ihm geht es um Schönheit und große Kunst, ihr eigentlich nur um jenen Code, der das perfekte Gemälde und sein Schöpfer-Genie so einzigartig macht – und der Menschheit über eine Computersoftware gar das Denken abnehmen könnte, ließe er sich nur knacken. So wird Leonardos Meisterwerk zum Objekt unterschiedlicher Begierden. Und so kommt man letztlich nicht zusammen: Ein zerstörerisches Ende und im gesungenen Epilog ein sanfter Appell der Mona Lisa: „Trau nur Deinem Gefühl – öffnest Du dein Herz, bekommst Du ein Lächeln zurück!“

Sandra Keck inszenierte spritzig und klug

Dieser Handlungs-Rahmen wird ausdrucksstark ausgefüllt von dem jungen, vielfach schon Hasselburg-erfahrenen Musicalteam. Spielfreude längst nicht nur in den bunten Tanzszenen und schöne Stimmen zu eingängig klangvollen Melodien prägen die spritzige, kluge Inszenierung. Da geht es über zwei Stunden richtig rund – eigentlich schade, dass diese anregende, familiengerechte Produktion im Jubiläumsjahr nur hier zu erleben ist.

Historisches Kuhhaus mit neuem Kreuzgewölbe

Ein Abstecher nach Hasselburg lohnt auch, weil mittlerweile gegenüber der Reetscheune das Kuhhaus denkmalgerecht wiederaufgebaut und innen mit einem backsteinernen Kreuzgewölbe ausgestattet wurde. Ab Herbst soll hier Leben einkehren – etwa mit Veranstaltungen, Ausstellungen (derzeit ein wenig improvisiert zu Leonardo), aber auch weiteren Ferienapartments, ergänzend zu denen, die im von Gregor Greggenhofer entworfenen Torhaus bereits rege nachgefragt werden.

Kultur-Gut Hasselburg bei Altenkrempe. „Mona Lisa“, heute 27., und 28. Juli, 9.,10., 11. August, jew. 18 Uhr. Karten: www.hasselburg.de

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