Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Ein Bild wie ein Gewebe
Nachrichten Kultur Ein Bild wie ein Gewebe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 29.04.2019
Von Sabine Tholund
Hans am Ende: Birken, 1895-1900 Quelle: Museum Eckernförde
Anzeige
Eckernförde

Unter dem Titel „Heide, Moor und Birken. Otto Modersohn und die Worpsweder“ werden 29 Ölgemälde und Aquarelle gezeigt, darunter Arbeiten von seiner Frau Paula Modersohn-Becker, von Heinrich Vogeler oder Hans von Ende. Ein großer Teil der Bilder sind Leihgaben der Kunsthandlung Dr. Michael Nöth in Ansbach, ein kleinerer entstammt dem Besitz des Otto-Modersohn-Museums in Fischerhude, das heute von der Enkelin des Künstlers geleitet wird.

Die Landschaft um Worpswede als dankbarer Motivgeber

Anzeige

Die verwunschene Landschaft rund um Worpswede ist dankbarer Motivgeber der Künstler, die – nach dem Vorbild der Schule von Barbizon – der Freiluftmalerei huldigten und alle eine eigene Handschrift entwickelten. Sind frühe Arbeiten Otto Modersohns noch deutlich im Naturalismus des 19. Jahrhunderts verhaftet, nähert er sich um 1900 der ungleich abstrakteren Formensprache seiner Frau Paula, einige Jahre später lässt eine leuchtende Farbigkeit gepaart mit dynamischem Pinselduktus erkennen, welchen Eindruck die Werke Vincent van Goghs bei ihm hinterließen. Hans am Ende ließ sich von der geheimnisvoll-magischen Bildwelt Arnold Böcklins inspirieren, Hans Vogeler, dessen verspielte Lieblichkeit dem Jugendstil huldigt, zeigt in seiner kleinteiligen Malweise eine Nähe zum Pointilismus.

Modersohns neues künstlerisches Credo

Erfolg bringt Rivalität – bereits 1899 trat Modersohn aus der Künstlerkolonie aus. Nach dem Tod seiner Frau zog er 1908 ins unweit gelegene Fischerhude. „Hier fand eine zweite Hauptphase seines Schaffens statt“, so Regina Gerisch, Kunsthistorikerin des Kunsthandels Nöth. „Modersohn war moderner geworden als die Worpsweder.“ Letzteres wird anhand einer Reihe von Aquarellen deutlich – flüchtig hingeworfene Skizzen von Dünenlandschaft und Meer, entstanden während eines Sommerurlaubs auf Wangerooge 1914. Stilistische Veränderungen gibt es auch bei den großen, vornehmlich im Atelier fertiggestellten Ölgemälden. So sind anekdotische Details nur noch vage auszumachen, die Tiefe des Raums verschwindet zugunsten einer zunehmenden Flächigkeit. „Das Bild soll wie ein Gewebe sein“, formuliert Modersohn das künstlerische Credo seiner späteren Jahre. „Alles soll mit allem in Verbindung stehen.“

Museum Eckernförde, Rathausmarkt 8. Eröffnung Sonntag, 11,30 Uhr. Bis 14. Juli. Di-Fr 10-12.30 und 14.30 bis 17. So+Sa 11-17 Uhr. Begleitprogramm unter www.museum-eckernfoerde.de