Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Kunst von der Küste
Nachrichten Kultur Kunst von der Küste
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:06 01.08.2019
Von Konrad Bockemühl
Zum Auftakt der Jubiläumsausstellung geht die Sonne auf: Skagen-Maler mit Fischer-Szenen von Michael Ancher (Mitte) und Peder Severin Krøyer (re.). Quelle: Lukas Spörl
Anzeige
Alkersum/Föhr

Man pflegt die Korrespondenzen und zeigt sie auch: Mit einer üppig bestücken Schau feiert das von dem familiär hier verankerten Stifter, dem Pharmaunternehmer Frederik Paulsen (Ferring), mitten auf der Nordseeinsel errichtete Museum Jubiläum unter dem Motto „10 Jahre MKdW – Meisterwerke“. Munch und Mondrian, Nolde, Liebermann, Heckel, Beckmann, Krøyer, Dahl... Das MKdW hat viele davon zu bieten und zeigt bis zum 12. Januar 100 aus seiner Sammlung.

50 Leihgaben aus renommierten Museen

Und es hat sich rund 50 herausragende, in Deutschland mitunter noch nie gezeigte Exponate aus anderen internationalen Häusern und Sammlungen dazugeholt. Auch und gerade, um aufschlussreiche Korrespondenzen, verschiedene Ansätze und Blickwinkel rund um das offenbar grenzenlose Generalthema „Meer und Küste“ aufzuzeigen. Dass bezieht sich einerseits auf den Sammlungsschwerpunkt mit Kunst der Nordseeanrainerländer Norwegen, Dänemark, Deutschland und Niederlande zwischen 1830 und 1930, andererseits auch auf Beiträge zeitgenössischer, erneut Foto-Künstler. Auch sie greifen das Küsten-Themenspektrum auf, stellen originelle Bezüge zu manchem Meisterwerk des 19. Jahrhunderts her.

Anzeige

Kein Weg führt an der aktuellen Kunst vorbei

So lassen sich nicht nur die von den Skagenmalern mal mehr als Idyll, mal mehr als Arbeitsalltag ins Licht gerückten Fischerszenen vergleichen. Auch die Badenden Knaben Max Liebermanns (um 1900) stehen nun in Bezug zu den Badenden des Fotografen Joakim Eskildsen. Der Däne hat, wie 28 andere, in Alkersum bereits als Artist in Residence gewirkt. Nicht nur, weil das MKdW ein „One-Way Museum“ ist, wie es Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen ausdrückt, kommt kein Besucher um die ab 2011 völlig neu angesiedelte zeitgenössische Kunst herum. Denn 2009 begann alles auf Basis einer auch erst zur Jahrtausendwende begründeten thematischen Westküsten-Sammlung mit rund 450 Werken aus Romantik und Moderne.

74 Ausstellungen in zehn Museumsjahren

Heute umfasst die Stammsammlung rund 880 Werke, darunter immerhin 128 zeitgenössische. Eine Dauerausstellung gibt es bewusst nicht. So wurden bisher, immer wieder auch auf Basis der unter Gretchens Gasthof fachgerecht gelagerten Sammlung, 74 Ausstellungen realisiert, die über 400.000 Besucher sahen– 2018 waren es allein 42.500. Entgegen Paulsens ursprünglicher Intention, aber von ihm schon lange im Aufsichtsrat mitgetragen, wächst der Anteil aktueller Kunst stetig: 2020 soll sie unter dem Titel „See-Stücke“ auch in die Hauptsäle des mehrgliedrigen, von Gregor Sunder-Plassmann beziehungsreich rund um den wiederaufgebauten Dorfkrug entworfenen Gebäudekomplexes einziehen.

Mehr Skagen-Maler als anderswo in Deutschland

In diesem Jahr mündet die Jubiläumsschau noch im „Contemporary“, davor sind in fünf Sälen unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten die 150 historischen „Meisterwerke“ zu erleben. Da kann das MKdW gleich im ersten Saal mit dem deutschlandweit wohl größten Bestand an Skagen-Malern Flagge zeigen, wobei auf rund 900 Quadratmetern Fläche alle vier Länder mit großen Meistern, reizvollen Bezügen und kontinuierlicher, zugleich vielseitiger Küstennähe Berücksichtigung finden. Schön, wenn man sich ein wenig Zeit für dieses Insel-Juwel nehmen kann, das auch einen idyllischen Museumsgarten und die Dorf-Gastronomie einschließt. Wer noch mehr Zeit mitbringt, kann in diesem zauberhaften Umfeld sogar an Meditationskursen teilnehmen – Bestandteil eines beachtlichen Bildungs- und Vermittlungsprogrammes.

Festakt mit drei Westküsten-Botschaftern

Am Mittwoch wurde das Jubiläum mit einem Festakt begangen, nicht mit den Königinnen von Dänemark und Bhutan wie 2009 zur Eröffnung, sondern neben Museumsstifter Prof. Frederik Paulsen mit Kulturministerin Karin Prien und den Botschaftern Dänemarks, der Niederlande und Norwegens – der Westküstenländer. Und allseits mit viel Freude darüber, dass die kühne Vision des Stifters eine Erfolgsgeschichte geworden ist, inzwischen von weiteren Freunden, Förderern und Mäzenen gestützt. In der Verbindung von Heimatliebe und Weltoffenheit und mit Blick auf das (umwelt-)politisch hochaktuelle Sammlungsthema, so Karin Prien, sei das ein großes Geschenk.

„10 Jahre MKdW – Meisterwerke“ und „Contemporary“, bis 12. Januar 2020; Di.-So. 10-17 Uhr (bis 31. 10.). Zur Jubiläumsschau ist ein hochwertiger, 380-seitiger Katalog erschienen. www.mkdw.de

Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen über Charakteristika der MKdW-Sammlung: „Ein großer Zusammenklang“

Was verbindet die Kunst der Westküste?

Ulrike Wolff-Thomsen: Es ist generell eine sehr interessante Landschaftsmalerei, geprägt natürlich von der Nordsee, von Ebbe und Flut, von den geografischen Besonderheiten, die durch die Gezeiten an die Küsten herangetragen worden sind und die ganz intensiv auch die Lebensbedingungen der Menschen beeinflusst haben.

Lassen sich über Ihre Sammlung auch stilistische Gemeinsamkeiten erkennen?

Nun, es scheint mir so zu sein, dass es einen ganz großen Zusammenklang gibt zwischen der Malerei von Norwegen, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden. So hat die norwegische Malerei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Johann Christian Dahl ganz stark auch die deutsche Malerei dieser Zeit geprägt. Diese Künstler standen ja alle auch in sehr engem Austausch miteinander, waren auf gemeinsamen Ausstellungen vertreten oder pflegten den direkten Kontakt.

Nach welchen Kriterien haben Sie nun die Jubiläumsausstellung bestückt?

Wir haben zunächst Highlights aus der eigenen Sammlung ausgewählt – und da haben wir ja wirklich Museumsstücke zu bieten! Und uns interessierte, die ikonografischen Besonderheiten, die in dieser Westküstenmalerei angesprochen werden, durch auswärtige Leihgaben nochmals zu vertiefen, um Korrespondenzen darstellen zu können. So entstand ein wunderbares Zusammenspiel zwischen unseren Werken und den Leihgaben aus Norwegen, Deutschland, den Niederlanden und Dänemark. Das setzt sich fort bis zu den zeitgenössischen Werken. Ich finde es faszinierend, dass dieses Konzept mit den vier Künstlern aus vier Westküstenländern auch so gut funktioniert. Wie das Zusammenspiel mit der Meisterwerke-Ausstellung, weil man auch da wieder intensive Korrespondenzen zwischen der „alten“ und der aktuellen Kunst sieht.

Apropos Korrespondenzen: Wie ist Ihr Museum mittlerweile auf Föhr verankert?

Ganz stark! Als es 2009 gegründet worden ist, gab es – selbstverständlich – große Vorbehalte: ein Kunstmuseum auf einer Insel und dann noch in einem Dort mit 430 Einwohnern... Doch das hat sich ganz schnell gewandelt, etwa wenn die Insulaner bei der Museumsnacht, ganz bewusst im November, „ihr“ Museum entern können. Heute wird das Museum mit großem Stolz und Anerkennung von den Insulanern begleitet.

Gibt es eigentlich einen Maler von der Insel in Ihrer Sammlung?

Nicht direkt, aber wir haben in der Sammlung sehr prominent vertreten den sogenannten „Maler von Föhr“, als solcher schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts tituliert: Otto Heinrich Engel war neben Max Liebermann Mitbegründer der Berliner Secession und hat sich seit 1901 hier eine ganz neue Motivwelt erschlossen, mit Friesinnen in Trachten und den wunderbaren Inseldörfern...

Zehn Jahre Museum Kunst der Westküste: Eindrücke aus dem Stiftermuseum in Alkersum auf Föhr.
Ruth Bender 01.08.2019
Kai-Peter Boysen 01.08.2019
Oliver Stenzel 01.08.2019