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Kultur Kunst aus dem echten Norden
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08:00 28.06.2019
Von Sabine Tholund
Foto: Nordischer Auftakt mit magischen Momenten auf dem Museumsberg: Tróndur Patursson beziehungsreiche Wal-Installation.
Nordischer Auftakt mit magischen Momenten auf dem Museumsberg: Tróndur Patursson beziehungsreiche Wal-Installation. Quelle: MBFL
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Flensburg

Die Zahl ihrer Bewohner beläuft sich auf knapp die Hälfte der Einwohnerzahl von Flensburg. Dennoch haben die rund 50000 Menschen, die auf den Färöern leben, eben nicht nur eine unerschrockene Fußballmannschaft hervorgebracht, wie man seit der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 weiß. Flensburg richtet sein Auge auf die teilweise auch international beachtete Kunst der Färöer.

Den einen oder anderen Künstler, von denen die meisten im Ausland studiert haben, hat Museumsdirektor Michael Fuhr bereits 2008 kennen gelernt. Damals arbeitete er noch am Wiener Leopold-Museum und hatte eine Schau mit Kunst von den Färöern in Österreichs Hauptstadt geholt. „Ich war neugierig, was sich in den vergangenen zehn Jahren getan hat“, so Fuhr über die aktuelle zweiteilige Ausstellung, die den augenzwinkernden Titel Kunst der Färöer: Der wirklich echte Norden! trägt.

Gleich im ersten Raum ist ein Wal gestrandet

Schon der Auftakt ist ganz schön nordisch: Im ersten Raum des Hans-Christiansen-Hauses ist ein Wal gestrandet. Geschaffen hat ihn Tróndur Patursson, ein Künstler, der in seinem 75 Lebensjahren unter anderem auf eine Zeit als Abenteurer, unterwegs im Fellboot auf den Spuren des heiligen Brendan, zurückblicken kann. Die weich gerundete Skulptur aus teils bemaltem, teils mit geschmolzenem Farbpulver gestaltetem Glas hat er auf die am Boden liegende Edelstahl-Silhouette eines riesigen Meeressäugers platziert – Wale werden bis heute auf den Färöern bis heute bejagt und verzehrt. Ein vielleicht verstörender Hinweis auf diese Tradition ist das tiefe Rot in der gläsernen Hülle der gleichwohl ästhetischen Installation, der das Spiel wechselnden Lichtes magische Momente beschert.

Licht und Farben der Jahreszeiten

Ähnlich „typisch“ für ihre Wahl-Heimat im Nordatlantik sind die Bilder von Astri Luihn. Die gebürtige Norwegerin will in den eisblauen, hellgrünen oder kaltweißen Kompositionen ihrer Gemälde Licht und Farben der Jahreszeiten einfangen. In das abstrakte, floral anmutende Formenspiel hat die ausgebildete Musikwissenschaftlerin schwarze Vögel geschmuggelt, deren Konturen den Trottellummen ähneln, die zu Tausenden die Küsten bevölkern. Klitzeklein reihen sie sich auf imaginären Felsen aneinander wie Noten in einer Partitur – „eine kleine Vogelmelodie“, so Luihn.

Textilplastiken unterm Kreuzgewölbe

Als Textilkünstlerin von den Färöern müsste Randi Samsonsen streng genommen mit Schafwolle arbeiten. Für ihre gehäkelten, gestrickten und genähten Objekte zieht sie jedoch Baumwolle vor. Ihre organisch geformten, farbenfrohen Textilplastiken, in denen teilweise menschliches Haar verarbeitet ist, hängen an dünnen Fäden im kreuzgewölbten Seitentrakt des Museums von der Decke: kratzig oder weich, prall oder schlaff – Berühren ausdrücklich erlaubt.

Und so hat jede der gezeigten Positionen ihre eigene Prägnanz. Beinahe plastisch wirkt die atemberaubende Landschaft der Inseln auf den Fotos von Ingi Joensen, seine Kollegin Annika á Lofti verblüfft mit Aufnahmen in holografischer Technik – Inszenierungen eines jungen Mannes, der beim Vorübergehen in einer Lichterscheinung verschwindet.

Die Vielfalt auf den Inseln reicht als Roter Faden

Er habe nicht versucht, für die Ausstellung einen roten Faden zu finden, sagt Michael Fuhr. Ihm sei es vor allem darum gegangen, die Vielfalt in der Gegenwartskunst der Färöer zu zeigen. „Wenn es einen roten Faden gibt, dann sind es die Inseln.“ Unbedingt sehenswert.

Flensburg. Museumsberg und Schifffahrtsmuseum (Eröffnung dort am Sonntag, 30.6., 11.30 Uhr) Bis 20. Oktober. Di-So 10-17 Uhr (Museumsberg bis Sept. Do-20 Uhr). www.museen-flensburg.de

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