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Kultur „Das alles zu Chopin!“
Nachrichten Kultur „Das alles zu Chopin!“
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10:15 28.07.2019
Von Thomas Richter
Das kam an: Auf Gut Emkendorf nach Herzenslust gepicknickt, gespielt oder gefaulenzt werden. Quelle: Axel Nickolaus
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Emkendorf

Es scheint der Schlussakkord der aktuellen Hitzewelle zu sein. Die riesige Rasenfläche im Angesicht des schmuckollen Herrenhauses ist sonnenüberflutet. Also habe sich viele Besucher mitsamt ihrer Camping-Utensilien ein schattiges Plätzchen unter den Baumreihen links und rechts von der Wiese gesucht. Was diese wiederum fast uneingeschränkt zum Spielplatz für Kinder, Eltern und wohl auch Großeltern werden lässt. Eine  ältere Dame jedenfalls wirft einem Kind behende einen Frisbee zu. „Das alles zu Chopin!“, ruft sie erfreut,  weil aus der Scheune, wo gerade der überragenden Pianist Jean-Paul Gasparian konzertiert, die Klänge der „Polonaise – Fantaisie As-Dur“ des polnischen Komponisten herüber wehen. Andere versuchen sich am neuen Sport-Trend, dem „Cornhole“ oder Sackloch-werfen. Auch dem Rasen-Klassiker Krocket wird gehuldigt.

Buntes Treiben im eigenen Vorgarten

„Bekommen wir immer so viele Menschen zu Besuch?“, habe ihre Tochter Emily (6) sie gefragt, erzählt Christiane Carlson, während die Kleine beim Krocket auf dem gepflegten Grün ihr Können unter Beweis stellt. Eine berechtigte Frage, denn vor Kurzem ist Familie Carlson mit drei kleinen Kindern in eine Mietwohnung direkt am Herrenhaus eingezogen. Das bunte Treiben auf der riesigen Grünfläche und die Musik spielen sich nun also gewissermaßen im Vorgarten der Carlsons ab.

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Dort haben es sich auch die Sonnenanbeterinnen Martina Bredendiek, Tatjana Reinecke und Ulrike Alfer auf einer Wolldecke mit frischen Weintrauben und Kirschen gemütlich gemacht. Schatten? Warum denn? „Das Wetter ist so großartig, wir bleiben erst mal hier sitzen“, sagt Martina. Daran wird sich im Verlaufe des Nachmittags wohl auch kaum etwas ändern, denn die Band Django deluxe, die gleich in der Scheune auftreten wird, habe man schon einige Tage zuvor gehört. „Die sind wirklich super“, versichert das vergnügte Damen-Trio.         

Richtig heiß war die Musik

Womit es zweifelsohne Recht behielt. Da die Scheune an diesem Tag wie schon bei den Konzerten zuvor offen blieb, herrschten im Inneren warme, aber nicht gar so heiße Temperaturen. Sodass man entspannt das Feuer genießen konnte, das der Ausnahme-Gitarrist Giovanni Weiss mit seiner exquisiten Band Django deluxe entfachte. Wobei „entspannt“ bei dem energetisch groovenden Sinti-Swing - ganz im Sinne und Stil von Django Reinhardt, dem großen Erfinder und Interpreten dieser einzigen originär europäischen Jazz-Form - auch zum relativen Begriff wird. Denn, was Jan Kaiser, (Trompete) Buggy Braune (Piano), Axel Burckhardt (Kontrabass) und Tobias Backhaus (Schlagzeug) an der Seite von Weiss da zauberten, ging auf direktem Wege ins Blut.

Glänzende, seelenvoll-virtuose und niemals akademische Soli sowie fesselnder Band-Spirit adelten die Stücke. Alles blieb in Fluss, alles war Swing. „Wir wollen, dass die Leute das Konzert einfach genießen“, sagt der Bandleader nach dem Gig, und (schmunzelnd), „anstrengende Musik gibt es doch sowieso schon genug.“

Mission erfüllt!

Die Musikfeste auf dem Lande sind besondere Perlen im Schatz der SHMF-Kostbarkeiten. Eines fand jetzt auf Gut Emkendorf statt.