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Kultur Poesie im Dunkeln
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09:11 19.06.2019
Von Sabine Tholund
Ausstellung zwischen Illustration und freier Kunst: Einar Turkowski im Bunker D. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Seine feinsinnigen Bild-Geschichten sind bibliophile Schätzchen und haben von Europa bis nach Übersee eine große Fangemeinde gefunden – Bücher von Einar Turkowski werden unter anderem in Brasilien, Japan und China, seit 2018 auch in den USA verlegt. Es ist nicht schwer, die Begeisterung für die Arbeit des Kieler Autors und Buchillustrators zu verstehen. Das Geheimnisvolle liebt er genauso wie das Poetische und beides findet in seinen detailverliebten Bleistiftzeichnungen mit dem Hang zum Surrealen gleichermaßen Niederschlag.

Acht Bücher hat er seit 2005 veröffentlicht, illustriert mit Bildern, in denen es weit mehr zu entdecken gibt, als man mit dem ersten Blick aufnehmen kann. Jede erneute Betrachtung offenbart andere Details und Nebenschauplätze, aus denen sich ganz neue Geschichten entwickeln könnten. So ist die Ausstellung im Bunker D denn auch "Nebenschauplätze" benannt.

Gemälde aus Kugelschreiberzeichnungen

Die großformatigen Gemälde gehen auf Kugelschreiberzeichnungen aus Turkowskis Skizzenbuch zurück, hingeschrieben mit schnellem, dynamischen Strich. Ein gewaltiger Baum ist dabei, in dessen nächtlich düsterem, schwarzen Geäst zahllose gelbe und orangefarbene Rechtecke wie Lichter aufscheinen. Das gefällige Motiv ist der Illustration näher als die abstrakte Farbkomposition, die unter einem Raster aus rhythmisch gesetzten Vertikalen beinahe verschwindet. Woanders verdecken Schichten aus bleiernem Grau gegenständliche Motive, von denen nur noch Farbinseln übrig sind.

Eine steinerne Treppe ins Nirgendwo

Aber es gibt auch brandneue Zeichnungen, darunter ein Blatt mit einer steinerne Treppe, die ins Nirgendwo führt. Auf der letzten Stufe steht ein Mädchen, das ein Schriftstück in Händen hält. Der nachtschwarze Himmel über ihr ist bevölkert von schwebenden Ballons, antiquierten Kampfflugzeugen, vor allem aber von allerlei zähnefletschenden Ungeheuren, die auf das Kind herabstürzen. Widerstand nennt Turkowski die Zeichnung, zu der ihn die Klima-Aktivistin Greta Thunberg inspiriert hat. Sie ist „das Mädchen, das einfach dasteht und keine Angst hat“, so der Künstler. Um Umweltzerstörung, Klimawandel und Krieg gehe es in dem Blatt. „Aber man kann sich auch 1000 andere Geschichte dazu ausdenken.“

Der Rote Faden der Dunkelheit

Die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten sind ein Faszinosum in den erzählerischen Kompositionen des 47-Jährigen, der nach seinem Studium in Hamburg 2007 für sein Erstlingswerk „Es war finster und merkwürdig still“ mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Apropos finster: Das Thema Dunkelheit zieht sich wie ein roter Faden durch seine Bildwelt. „Ich mag den Begriff des Sowohl-Als-Auch“, sagt Einar Turkowski. „In der Dunkelheit kann alles sein: Bedrohliches und Schönes, vor allem aber Unbekanntes. Und das Unbekannte sollte eigentlich der Freund eines Jeden sein.“

FH Kiel. Schwentinestraße 11. Eröffnung Donnerstag, 20. Juni, 18 Uhr. Bis 17. Juli, mittwochs 10-22 Uhr und nach Vereinbarung unter bunker-d@fh-kiel.de

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