Neubau im Freilichtmuseum Molfsee kommt von Lübecker Architektenbüro
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Kultur Modern in die Vergangenheit
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20:52 18.12.2014
Von Konrad Bockemühl
Der Siegerentwurf für den neuen Eingangs- und Ausstellungsbereich in Molfsee: „Der städtebauliche Ansatz, ein Baukörperpaar in das fast ungestörte Bild und die Ausstellungslandschaft mit reetgedeckten Bauernhäusern und Wirtschaftsgebäuden einzufügen, ist sehr gelungen. Die Maßstäblichkeit werde sorgfältig aus den vorhandenen Gebäuden abgeleitet“, heißt es in der Begründung des Preisgerichtes. Quelle: ppp Architekten/Breimann & Bruun. Visualisierung: on3studio
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Schleswig

Das Büro Petersen Pörksen Partner, ppp Architekten, Lübeck in Kooperation mit Breimann & Bruun Landschaftsarchitekten, Hamburg, knüpft „an das vertraute Bild der großvolumigen Reetdächer als selbstverständlicher Teil dieser Landschaft an.“ Das weit heruntergezogene „Dach und Wand werden zur skulpturalen Großform, die Gebäude zu Artefakten, die für die Künstlichkeit des Museums stehen“, heißt es von dem Büro: Der Baustoff Beton soll dabei mit seiner Härte und Strenge einen zeitgemäßen Bezug herstellen und „in angemessenen Kontrast zu den Altbauten“ stehen. Angesiedelt sind die Neubauten im Bereich des derzeitigen Bauhofes südöstlich des Drathenhofes – in einem Nadelöhr des Museumsgeländes zwischen Hamburger Chaussee und Hamburger Landstraße, wie Rüther betont. Der Eingang soll von den weiterhin rund 400, künftig begrünten Parkplätzen direkt erreichbar sein.

Die Jury aus neun Fach- und Sachpreisrichtern unter Leitung der renommierten Kölner Architektin Dörte Gatermann sprach sich nach rund 13-stündiger Sichtung der letzten 21 aus ursprünglich 150 Bewerbungen ausgesiebten Entwürfe mit nur einer Gegenstimme für die Siegerarbeit aus. Und staunte wenig später, dass sie nicht aus Spanien, München, Estland, Berlin oder Dänemark, sondern aus Schleswig-Holstein stammt – ebenso wie ein weiterer mit Anerkennung versehener Entwurf des Kappelner Büros Sunder-Plassmann Architekten. Insgesamt, bestätigten gestern mehrere Preisrichter, sei das Wettbewerbsniveau sehr hoch gewesen. Das ist ab heute Abend in der Ausstellung aller Entwürfe auf Schloss Gottorf in ganzer Vielfalt nachzuvollziehen. Auch im 2015 vor 50 Jahren eröffneten Freilichtmuseum sollen sie noch gezeigt werden – ob genug Raum für alle Arbeiten vorhanden ist, scheint jedoch fraglich. Was den Bedarf eines, ausdrücklich ganzjährig geöffneten, Ausstellungshauses in Molfsee belegt. Der bisherige Standort der Volkskunde auf dem Schleswiger Hesterberg wird innerhalb der Stiftung Landesmuseen komplett in direkte Kieler Nähe verlagert. Auf dem Hesterberg-Areal entsteht dafür das Zentralmagazin aller Landesmuseen.

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Während Stiftungsdirektor Prof. Claus von Carnap-Bornheim am Donnerstag optimistisch auf die weitere Unterstützung des Landes für diese Planung setzte und einen Eröffnungstermin 2019 ins Auge fasste, freute sich Museumsdirektor Wolfgang Rüther auf die Perspektive, das neue Ausstellungshaus mit rund 1600 qm Schaufläche mit einem serviceorientierten Eingangsgebäude zu kombinieren. Der Kostenrahmen war mit rund zwölf Millionen Euro angegeben. Es darum gegangen, sich „nicht anbiedernd, sondern spannungsgeladen“ und dennoch maßstäblich in den Museumskontext einzufügen und dafür den optimalen Standort zu finden. Das neue Ensemble aus Glasschaumbeton soll über abgesenkten Ausstellungsflächen entstehen und einen lichten Innenhof schaffen, zugleich schon reizvolle Einblicke und einen attraktiven Zugang in die Museumslandschaft bieten. Deren erstes Exponat wird dann die derzeit noch als Bauhof genutzte Feldscheune aus dem frühen 20. Jahrhundert sein. Auch sie soll künftig Schauraum umfassen.

Am Vortag Signale der Unterstützung vom Stiftungsrat unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Torsten Albig, am Freitagabend die Ausstellungseröffnung durch Kulturministerin Anke Spoorendonk – man ist optimistisch, dass aus dem Entwurf absehbar Realität wird. Die Ministerin freute sich am Donnerstag, dass ein Wettbewerbsteilnehmer aus dem Land zum Zuge kommt. Zur Finanzierung des viel beachteten und „ambitionierten Vorhabens“ will sie „das Jahr 2015 dafür nutzen, die benötigten Finanzmittel einzuwerben. Geplant ist, auch europäische Strukturfonds (ELER) dafür in Anspruch zu nehmen.“ Das hört man gern auf der Gottorfer Schlossinsel – schließlich steht hier mit dem Masterplan ein weiteres Großprojekt auf der Agenda.

Ausstellungseröffnung Freitag, 18 Uhr, Schloss Gottorf, Bis 18. Jan. Galerie des 19. Jahrhunderts, Di-Fr 10-16, Sa/So 10-17 Uhr.