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Kultur Poing trifft Literatur
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20:38 15.11.2019
Von Ruth Bender
Seit 1999 machen sie als Trio Poing zusammen Musik: Akkordeonist Frode Haltli (Mitte), Bassist Håkon Thelin (re.) und Saxofonist Rolf-Erik Nystrøm. Quelle: Geir Dokken
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Kiel

Literatur, sagt Hinrich Schmidt-Henkel, sei für ihn immer auch Klang. „Das hat mit Musik erstmal noch nichts zu tun – aber mit einem Rhythmus der Sprache, einer klanglichen Gestalt.“ Als Übersetzer gehört es zu seinem Metier dazu, dem Original seinen besonderen Ton abzulauschen und umzusetzen. Von da ist es nicht weit zur Vertonung oder zu Kombinationen wie Jazz und Lyrik. Und zu dem Rezitationsabend mit Musik, den der renommierte Übersetzer, der Michel Houellebecq übertragen hat sowie Jon Fosse und Jo Nesbø, erst bei Radio Bremen und am Montag mit dem norwegischen Trio Poing im Kieler Kulturforum absolviert.

Wie sich Sprache und Musik verbinden

Zu Tomas Espedals Buch Das Jahr und für den vom Autor verehrten Akkordeonisten Frode Haltli und dessen Mitstreiter Hakon Thelin (Bass) und Rolf-Erik Nyström (Saxofon) hat der dänische Komponist Bent Sorensen eine Musik (Die vier Jahreszeiten) geschrieben, die sich mit dem stark lyrisch gefärbten Text zur Einheit verbindet. „Ich sitze hier mit der Partitur“, schwärmt Schmidt-Henkel, selbst begeisterter Chorsänger, „und erlebe, wie gut das passt.“ Tagebuchartige Notizen, die von Liebe und Verlust erzählen, von Wetter und Ernährung und von der Wiederholung des Immergleichen, fügen sich da in Anklänge an die Renaissancemusik, in Jazzpassagen oder Atonales.

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Zwei Künste im Dialog

Espedal schreibt seine Sätze immer wieder neu“, so Schmidt-Henkel, der Das Jahr ins Deutsche übertragen hat. „Auch dieser Text ist stark durchgearbeitet. Die Musik erschafft dazu neue Bedeutungsebenen. Da entsteht ein Dialog autonomer Künste, die beide durch den Austausch dazugewinnen.“ Er schätzt Espedals Sprache, die ihren eigenen Sog und Rhythmus hat, immer auf der Kante zur Lyrik. Im Übersetzen und dem Chorsingen sieht Schmidt-Henkel übrigens eine natürliche Verbindung: „Beim Übersetzen ist besondere Sensibilität für die musikalischen Qualitäten von Sprache gefordert.“

Kulturforum, Mo, 18. Nov., 19 Uhr. Karten im Literaturhaus: Tel. 0431/5796840, Infotresen Stadtgalerie Kiel. www.literaturhaus-sh.de

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