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Kultur Gerolltes R, gespuckte Konsonanten
Nachrichten Kultur Gerolltes R, gespuckte Konsonanten
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18:54 24.09.2019
Von Christian Strehk
Dirigent Jens Illemann bei der Probe in Wewelsfleth mit dem jüngst gegründeten Norddeutschen Film-Orchester. Quelle: Christian Strehk
Itzehoe

"Wenn ich genervt wirke, dann bitte genau einen Takt später einsetzen“, gibt Jens Illemann gut gelaunt in die Runde von 90 Musikerinnen und Musikern sowie 50 Choristen. Sie sind aus Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Niedersachen und Berlin zusammengeströmt, um auf einem Resthof in Wewelsfleth nahe Brokdorf einer besonderen cineastischen Neigung nachzugehen. Illemann hat mit ihnen das Norddeutsche Film-Orchester gegründet.

"Noch ein bisschen auf Intonation achten ..."

Auf der grob ausgebauten Tenne der Stallanlagen sitzt der Dirigent jetzt und bringt mit ansteckender Begeisterung, sanfter Ironie und klarem Schlag Ordnung in den „Krieg der Sterne“. Inklusive Harfe, Schlagzeug und schwerem Blech ist alles versammelt, was den Soundtrack ins Brausen bringt. „Vielleicht könntet ihr noch ein bisschen auf Intonation achten, wo wir gerade so schön dabei sind“, ist ein typischer Satz des Dirigenten. Und Hinweise zur Balance werden wichtig. „Wenn wir einen Chor mit 300 Leuten zur Verfügung hätten, dann dürftet ihr so laut spielen. Aber in Takt 74 wird bei unserer Besetzung für alle das Piano interessant. Runterfahren! Runterfahren!!“

Illemann versucht gleichzeitig die sprachliche Durchschlagskraft des Chores aus Itzehoe, Krempe und Quickborn zu wecken: „Kor-ah, Mah-tah, Kor-ah, Rah-tah-mah – bitte unbedingt mit gerrrrrrolltem R und gespuckten Konsonanten!“ Zum Gründungskonzert im ausverkauften Theater Itzehoe gab es jenseits von „Star Wars“ aber auch Flirrendes wie Elton Johns „Circle of life“ aus dem „König der Löwen“. Da gibt der künstlerische Leiter den besten Affen, den man lange gehört hat, geht ein Pfeifen, Grunzen, Zischen und Tirilieren durchs Orchester, dass man sich aus der Elbmarsch gleich sonstwohin versetzt fühlt.

Einer, der sich mit Mammutprojekten auskennt

Man hört, dass das Spaß macht. Der 31-jährige Hamburger Musiklehrer, der hier die fantastische Welt der Kino-Klänge beschwört, kennt sich mit Mammutprojekten wahrlich aus. 2016 hat der passionierte Arrangeur in der Frankfurter Commerzbank-Arena das „größte Orchester der Welt“ auf die Beine gestellt. Und nach dem „NFO“ steht das nächste Projekt schon in den Startlöchern: Die Norddeutsche Bläserphilharmonie will herausragende Sinfonische Blasmusik ebenfalls Meisterwerken der Filmmusik gegenüberstellen. Im Zentrum des zweiten Gründungsprojekts steht zunächst die "Herr der Ringe"-Sinfonie von Johan de Meij.

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