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Kultur Es war Mord, aber wer war's?
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18:18 04.10.2015
Von Thomas Richter
 Inge Neubauer, Silke Broxtermann und Tina Kliemann in Amaretto. Quelle: Cynthia Rennenberg
Kiel

Kein Zweifel:  Regisseur Jörg Diekneite und vor allem Autor Ingo Sax kennen sich aus im nostalgischen Mörder-Raten vor allem englischer Prägung. Agathe Christie lässt grüßen, aber wohl noch stärker Francis Durbridge. Die vom WDR produzierten Verfilmungen der Durbridge-Krimiswaren in den sechziger und siebziger Jahren in Deutschland legendärer Straßenfeger. Gunther Witte,  Fernsehspielchef  des Senders, sagte dazu einmal „Es war eines der Erfolgsprinzipien des britischen Schriftstellers: Er dachte sich vorher einfach eine große Gruppe von Verdächtigen aus, und wirklich jeder konnte der Mörder sein. Einer war es, und jeder spekulierte mit.“      

Amaretto folgt diesem Prinzip auf Schritt und Tritt, auch wenn die „Gruppe der Verdächtigen“ hier eher überschaubar bleibt, und der Plot nicht ganz so gewitzt konstruiert ist wie beim englischen Meister. Beatrice Moormann (hoheitlich elegant aber kurzlebig: Inge Neubauer), wohlhabende Witwe des verstorbenen Konsuls, hat Geburtstag. Da lässt die liebe Verwandtschaft nicht lange auf sich warten. Es treten ein:  Tochter Julia (Tina Kliemann: freundlich aber resolut),  Nichte Andrea Lüdecke, die die Geschäfte der Tante führt (streng und kühl: Friederike Paulsen), Nichte Nicola Rohde, die als Erotik-Tänzerin um die Welt saust (herrlich exaltiert: Silke Broxtermann), schließlich Hausarzt Dr. Hadenfeld (überzeugend: Jörn Arens als Westentaschen-Colombo). Später gesellt sich noch Julias Verlobter Manfred Reimers (Hannes Jetzek als trinkfreudiger Naivling) zur Feier. Die Getränke serviert Haushälterin Karin (servil mit einem Hauch von Aggressivität glänzend verkörpert von Anne Rohde). Wegen eines schweren Sturms sind alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt. Man ist also unter sich in diesem vornehmen Herrenhaus (Bühnenbild: Rainer Kühn), niemand kommt rein, keiner kann raus.                                                                                         

Nach einem Schluck Amaretto-Punsch zur Begrüßung bricht die herzkranke Beatrice tot zusammen. Schnell mutmaßt Dr. Hadenfeld, dass sie vergiftet wurde. Mord also. Aber wer war's?  Diekneite kann sich in der ersten Hälfte der Geschichte nicht recht entscheiden, ob er einen plüschigen Mordsspaß oder ein  „richtiges“ Kriminalstück erzählen will. Als sich später aber die Indizien verdichten, dass jeder Motivation und Möglichkeit zum Mord gehabt hätte, die gegenseitigen Verdächtigungen zunehmen und es wirklich um Kopf und Kragen zu gehen scheint, gewinnt der Abend deutlich an Spannung und fesselt. Aber wer war's denn nun? Nun, spekulieren Sie selbst. Die kommenden Vorstellungen finden Sie unten:  

Vorstellungen: Theater am Wilhelmplatz. Jew. Do. und Fr. 20 Uhr sowie Sa. und So. 18 Uhr (keine Vorstellung am Do. 22.10.)  Karten (0431) 901 901, www.nbkiel.de

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