Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur „No 6 Collaborations Project“ – So ist das neue Album von Ed Sheeran
Nachrichten Kultur „No 6 Collaborations Project“ – So ist das neue Album von Ed Sheeran
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 12.07.2019
Teamwork – von Cardi B. bis 50 Cent: Für das „No 6 Collaborations Project“ arbeitete Ed Sheeran mit seinen Lieblingskünstlern zusammen. Quelle: Mark Surridge
London

Ed Sheeran ist relativ frisch verheiratet – seit Advent 2018. Er webt in seine Songs gern sein Leben ein, das weiß man auch. Was soll man also denken, wenn es im Song „Blow“ heißt: „Du bringst mich dazu, ein Baby machen zu wollen“.

Auch sonst gibt es allerhand zweideutige Metaphorik. „I’m coming“, „I’m gunning“, „Ich feure meinen Schuss heute ab“, „Betätige meinen Abzug, lass mich deinen Verstand wegblasen.“ Boa, Ed! Sexmaniac mit Familiengründungsgelüsten?

Jetzt rockt der Alleskönner also auch noch! Mit bockiger Gitarre und Led-Zeppelin-Schrei beginnt „Blow“, der letzte und wohl ungewöhnlichste Song des neuen 15-Track-Albums „No 6 Collaborations Project“ - ein ziemlich sexyfunkiger Kracher der alten Lenny-Kravitz-Schule (die sich auf die ganz alte Jimi-Hendrix-Schule beruft).

Ed Sheeran – Folk und Rock waren seine frühesten Einflüsse

Das kommt nicht von ungefähr. Folk und Rock’n’Roll waren Sheerans Wurzeln noch vor Hip-Hop und Grime. Bruno Mars und der Southernrocker Chris Stapleton helfen ihrem Kumpel Ed im Headbangergewerbe, im Video rockt eine Frauentruppe lippensynchron im legendären Rock-Nachtclub Viper Room. Witzig.

Sheeran, der Goldjunge – ganz oben. Der 28-jährige Engländer schrieb für Peter Jacksons zweiten „Hobbit“-Film die Drachenballade „I See Fire“. Und Smaug, der Feuerspeier, blies ihn damit Ende 2013 aus seinen schon recht saftigen Folk-Rap-Weiden geradewegs auf den Gipfel des Pop-Olymp.

Das Album „Divide“ teilte 2016 die Fangemeinde in die Puristen, die dem neuen kommerziellen Sounds eher ablehnend gegenüberstanden und in die vielen neu gewonnenen Millionen, die die Hitkollektion im babyblauen Cover für das Königsalbum des Jahres 2017 hielten. In vielen der „Divide“-Lieder erzählte Sheeran von sich, seiner Familie, seinen Ahnen. Ein intimer Welterfolg über Familienbande.

Ed Sheeran – Lieder über die Liebe auf dem „Collaborations Project“

Und jetzt kommen also die Wahlverwandtschaften: Für „No 6 Collaborations Project“ holte sich der Superstar der Zehnerjahre allerhand Kollegen ans Mikrofon. Dabei sind lässige R’n’B-Nummern wie „Beautiful People“ entstanden, wo sich Sheeran im Duett mit dem texanischen Soulmann Khalid von der oberflächlichen Schickeria von Los Angeles distanziert.

Oder „Best Part of Me“, das Hohelied der wahren Liebe, die dem Charakter verpflichtet ist, nicht der schönen Larve: „Ich kaue Nägel und erzähle die Wahrheit“, singt Sheeran da. Eine Akustikballade, anrührend vorgetragen mit der jungen US-Sängerin Yebba – einem Namen, den man sich merken sollte.

Oder „I Just Want Your Time“ mit der 22-jährigen Gabi Wilson alias H.E.R. – jazziges Flair, souliger Refrain. Die Liebe fordert ihre Zeit, der Troubadour zieht stattdessen durch die Welt und fühlt sich seiner Liebsten gegenüber schuldig. In „I Don’t Care“ mit Justin Bieber erzählt Sheeran darüber, dass man zu zweit einfach alles besser erträgt, „Cross Me“ mit Chance The Rapper handelt davon, dass Liebe Vertrauen heißt.

Und mit der „Havana“-Sängerin Camina Cabella und der nimmermüden US-Hitmaschine Cardi B. (26) geht es in „South of The Border“ wieder um die Libido: „Join me in that Bed“.

Vornehmlich Liebeslieder also auf dieser Platte. Immer verwoben mit Einblicken ins unstete Leben eines fahrenden Sängers. Die Megastars Sheeran, 50 Cent und Eminem rekapitulieren im Ohrwurm „Remember The Name“ ihren Aufstieg – dass „meine Träume größer sind als auf der Liste der Reichsten zu stehen“ und dass es noch lange nicht Zeit sei, zu gehen: „Here we go again“. Ein Arbeiterlied, irgendwie.

„Es ist ein Sammelalbum von Künstlern, deren Fan ich bin“, erzählte Sheeran dem amerikanischen Moderator Charlamagne Tha God („The Breakfast Club“) in einem Interview in seinem Haus in Suffolk. Mit den Aufnahmen hatte er während seine Tour im Vorjahr begonnen. Alles ging zwanglos vonstatten, von den bei solchen Alben üblichen Superstar-Vorschlägen der Plattenfirma wollte Sheeran nichts wissen. „Es gibt viele Künstler da draußen, die riesig sind, mit denen ich hätte arbeiten können, aber das hätte keinen Sinn für mich gemacht.“ Ehrenwert.

Ed Sheeran – Eine Bunte Soundtüte mit Schwerpunkt Hip-Hop

Schon vor seinen drei Grundrechenartenplatten „Plus“, „Multiply“ und „Divide“ veröffentlichte Sheeran zahlreiche EPs, die heute vergriffen sind. Die letzte war 2011 das „No 5 Collaborations Project“, auf dem der Folkpoet mit damals angesagten Künstlern des elektronischen Hip-Hop-Stils Grime zusammenarbeitete.

„No 6“ ist somit eine Rückbesinnung, eine Herzenssache, nicht der offizielle Nachfolger von „Divide“, die Duett- und Terzett-Platte verhält sich zu dem Megaseller wie ein Polaroid zu einer Hochglanzaufnahme, ist wie „Yellow Submarine“ nach dem „Weißen Album“ (bei den Beatles) oder wie „Zooropa“ nach „Achtung, Baby!“ (bei U2).

In Sachen Stilistik ist „No 6“ schwerpunktmäßig ein Hip-Hop-Album mit Poprefrains, von denen immerhin einige hängenbleiben. Immer wieder gibt es auch Überraschungen – hier eine Folkklampfe, da ein Bläsersatz und bei „Way to Break My Heart“ (mit dem kalifornischen Dubstepmeister Skrillex) schließlich eine Gitarre, die an „Every Breath You Take“ von The Police erinnert. „Ich sehe keine Genres“, versichert Sheeran, „Ich sehe nur Herz.“

Die Sheeran-Anhänger der ersten Stunde werden an „No 6“ ihre Freude haben, die Fangemeinde seit „Divide“ wird dieses Album eher spalten. Wer den Sänger für „Shape of You“, „Perfect“, „Happier“ und „Galway Girl“ feierte, dem wird hier eindeutig zuviel Sprechgesang gereicht.

In den britischen Charts immerhin standen gestern nachmittag mit „I Don’t Care“ (Platz 1), „Beautiful People“ (Platz 3) und „Cross Me“ (Platz 6) drei Sheeran-Songs in den Top Ten (Stand: 5. Juli). Für die nächste Ausgabe könnten sich noch „Blow“, „Remember The Name“ und „Best Part of Me“ dazugesellen. Da die neue Platte nur 15 Titel hat kann Sheeran seinen eigenen Rekord auch im besten Fall nicht brechen: Am 10. März 2017 war er mit sage und schreibe 16 Titeln von „Divide“ in den britischen Top 20 vertreten

Neues Album: Ed Sheeran: „No 6 Collaborations Project“ (Gingerbread/Warner) erschienen am 12. Juli

Konzerte: 2. (ausverkauft) und 3. August – Hannover, Messegelände

Von Matthias Halbig/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie ist die Newcomerin der Stunde, ihr Hit „Bad Guy“ will nicht aus den Hitparaden weichen. Jetzt nahm Billie Eilish eine neue Version des Songs mit Justin Bieber auf.

12.07.2019

Es war schon die Post-Punk-Phase, als sich No More 1979 in Kiel gründeten. Ihre erste Single "Too Late" nahmen Andy Schwarz (Gesang, Gitarre), Tina Sanudakura (Keyboards), Thomas Welz (Bass) und Christian Darc (Schlagzeug) im Probenraum im Keller und einer Waschküche nebenan auf. Zum 40-jährigen Bestehen bringt die Band eine Song-Sammlung heraus.

Thomas Bunjes 12.07.2019

Die Punkklasse von Ibbenbüren. Die Donots feiern „Silverhochzeit“ und spielen nach 25 Jahren die größten Shows ihrer Laufbahn. Geheimnis der funktionierenden Rock’n’Roll-Zweckehe: „Wir bringen uns vielleicht nicht immer Rosen mit, aber haben immer ein Lächeln für den Anderen über, wenn er von der Arbeit kommt.“

12.07.2019