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Kultur Von den verbotenen Liedern
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16:03 27.08.2019
Von Beate Jänicke
Musikalische Lesung mit "Unsongs" im Atelierhaus: Pål Moddi Knutsen aus Norwegen. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel.

Es gab eine Zeit, da hätte sich Pål Moddi Knutsen nicht vorstellen können, dass seine Lieder, etwa über die Liebe, zwischen die politischen Fronten geraten könnten. „Musik ist universell, man kann sie überall machen“, so habe er damals gedacht, erzählt er im Rahmen des Literatursommers vor vollbesetztem Haus im Gespräch mit Moderator Nils Aulike. Bis Moddi 2013 am Ende einer langen Tournee von Istanbul bis Spitzbergen sein Abschlusskonzert in Israel plante. Etliche Textnachrichten erreichten ihn da, die ihn aufforderten, wegen Israels Nahost-Politik nicht dort zu spielen. Als Moddi dann tatsächlich das Konzert absagte, wurde es nicht besser, sondern noch ärger mit den Reaktionen.

32 Jahre lang war der Song verschwunden

Woraufhin eine andere norwegische Künstlerin, Birgitte Grimstad, sich bei ihm meldete. Die Sängerin von Protestliedern gegen den Krieg hatte in den 1980ern ähnliche Erfahrungen gemacht. Doch sie hielt an dem Konzert in Israel fest und wollte dort den Folksong Eli Geva über einen Deserteur singen, der aus humanitären Gründen den Befehl verweigerte. Allein: es wurde ihr verboten. „Seitdem war der Song für 32 Jahre verschwunden“, sagt Moddi. Dann fragt er: „Soll ich ihn kurz spielen? Er ist so schön!“ Springt auf, schnappt sich die Gitarre und singt nuancenreich das so lange verschwiegene Lied.

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Zwölf "Unsongs" auf einem Album

Die Geschichte von Birgitte Grimstad war die Initialzündung zu Moddis Projekt über verbotene Lieder, die für die jeweiligen Künstler – je nach Land und System – mal ein Auftrittsverbot, aber auch etwa in Chile 1973 die Ermordung des politischen Protestsängers Victor Jara oder die mehrjährige Haft für das Künstlerinnenkollektiv Pussy Riot in Russland bedeuten konnten. Moddi begann zu recherchieren, ursprünglich seien es 400 Lieder gewesen. Er traf eine Auswahl, reiste in verschiedenste Länder und trug in Gesprächen die spannenden Geschichten hinter den Songs zusammen. Herausgekommen sind ein Album mit zwölf "Unsongs" (2016) und, 2019, das Buch "Unsongs: 10 Geschichten von 5 Kontinenten" (Übersetzung: Günter Frauenlob und Karoline Hippe). Vom Album gibt der Musiker mehrere Kostproben. Etwa das bewegende "A Matter Of Habit" des israelischen Sängers Izhar Ashdot, das davon erzählt, wie der Krieg die Seelen der Soldaten deformiert, wie Grausamkeiten zur Normalität werden. Moddis folkiges Spiel auf der Gitarre variiert zwischen warm und voll, kann aber auch kraftvoll und drängend klingen. Seine Stimme tönt mal sanft, fast flüsternd, dann anklagend laut wie ein Schrei.

Auch heute noch sind manche Songs tabu

Wer aber nun annimmt, in der westlichen Welt könne Derartiges nicht geschehen, irrt. So wurde etwa auch die populäre Künstlerin Kate Bush während des 2. Golfkriegs – wie viele andere - mit ihrem Anti-Kriegs-Song „Army Dreamers“ nicht mehr im britischen Radio gespielt. Und auch Moddi selbst, der ganz aktuell ein neues Stück („New Dawn“) über die Beteiligung Norwegens an kriegerischem Geschehen herausgebracht hat, finde damit im norwegischen Rundfunk nicht statt, erzählt er: „Es hieß: Der Song ist nicht unser Ding.“

Weitere Termine: Mittwoch, 28.8.,, 20 Uhr, ehemalige Synagoge, Friedrichstadt; Donnerstag, 29.8.,, 20 Uhr, Königswiesen, Schleswig.

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