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Kultur Kiels "Fledermaus" begeistert Publikum
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14:53 26.01.2020
Von Christian Strehk
Gabriel (Michael Müller-Kasztelan) trifft seine Zofe Adele (Hye Jung Lee) auf der wilden 80er-Jahre-Party des Prinzen Orlofsky. Beide geben sich als jemand anderes aus und müssen sich deshalb arrangiert miteinander amüsieren. Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Schon während der kontrastreich und spritzig gespielten Ouvertüre gibt es Gekicher und Gemurmel im Publikum: Mehrfach fährt der Frontprospekt hoch und runter und gibt so in herrlich sinnfreien Ausschnitten das menschenleere Werden einer kühl designten Neureichen-Villa frei.  Selber schuld, dass es die soften Sitzinseln dem Hausherrn Gabriel von Eisenstein selbst in nüchternem Zustand kaum möglich machen, in Würde darauf Platz zu nehmen. Am schönsten aber: die hochmoderne Videoschirm-Gegensprechanlage, die nicht nur Tenöre, sondern jeden Besucher zum eindringlichen Monster degradieren lässt. Ganz wie im richtigen Leben …  

Strauss' "Fledermaus" wieder in der Oper Kiel

Kiel hat nach einem guten Dutzend Jahre wieder eine Fledermaus. Und die von Regisseur Olaf Strieb präzise in Gleitflug versetzte und von Heiko Mönnich mal asketisch, mal schreiend bunt ausgestattete Kultoperette amüsiert den weitaus überwiegenden Teil des Premierenpublikums sehr. 

Die drei Probleme des Gabriel von Eisenstein

Den selbstverliebten Göttergatten Gabriel, den Michael Müller-Kasztelan so schön schleimig schlawinern lässt und dabei vorbildlich sprachklar singt und spricht, erwarten gleich mehrere Probleme. Erstens muss er wegen Beamtenbeleidigung und eines bedingt begnadeten Anwalts (Fred Hoffmann) in den Knast. Zweitens wird seine Frau die Zeit seiner Abwesenheit für ein amouröses Wiedersehen mit dem wunderbar tenoral tönenden Tenor Alfred (Yoonki Baek) ausnutzen. Und drittens tappt er geradewegs in die verlockende Falle seines Freundes Dr. Falke, dessen Rachsucht Christian Lange mit einem feinen lyrischen Bariton und Noblesse tarnt.

Brillante Adele: Hye Jung Lee

Da Gabriel sowieso gerne mal an anderen Mädels wie seiner Zofe zupft, die Hye Jung Lee bei leicht reduzierter Textverständlichkeit mit überaus brillanten Glasperlen-Koloraturkünsten und ganz viel Adele-Charme rüstet, ist die Aussicht auf eine wilde Retro-Party im maximal miesen Geschmack der 80er-Jahre für ihn Verlockung pur: In Schnellpolka-Stimmung rast er Unter Donner und Blitz durch Kiel – zum Ziel.  

Retroparty 80er-Jahre im Hause des Prinzen Orlofsky

Dort, in der Villa des Prinzen Orlofsky (halb Weib, halb Mann und fast zu schön gesungen von Heike Wittlieb), ist er wahrscheinlich nahezu der einzige, der nicht merkt, wie “laaaaaangweilig” die inszenierte Vergnügungs-Choose mit umherfahrendem Champagner-Brunnen und Elton-John-Outfits im quietschbunten Überfluss auf Dauer wird. Immerhin bekommt Ehefrau Rosalinde, singend und sprechend maskiert als ungarische Gräfin, hier ihre Treppe zum Showdown. Agnieszka Hauzer findet sehr überzeugend die Balance zwischen operettigem Gegluckse und der großen stimmlichen Geste, die für die berühmt-berüchtigte Partie nötig ist. 

Spaßgesellschaft-Überdruss und fetzige Musik

Die Andeutung von Spaßgesellschaft-Überdruss im Chor, zum Mitlachen verdammt und wieder blitzblank einstudiert von Lam Tran Dinh, und der allgemeine Farbenhorror lassen den 2. Akt schwerfälliger erscheinen als er ist. Dabei sorgt Kapellmeister Daniel Carlberg auch hier für fetziges Johann-Strauß-Trommelfeuer und “Duidu"-Schwelgen zwischen Brüderlein und Schwesterlein. 

Frosch und Frank in Fledermaus-Hochform

Szenisch wird aber erst der 3. Akt zum angemessen durchgeknallten Höhepunkt. In Mönnichs betoniertem Hochsicherheitsgefängnis liefern sich dessen Direktor Frank (Erzkomödiant in Hochform: Jörg Sabrowski) und Aufseher Frosch ein heißes Duell in Sachen Slapstick und Screwball-Interaktion. John Wesley Zielmann gibt dem schwer alkoholisiert umherirrenden Schließer, der aus dem reichen Pool der Frosch-Tradition aufs Schönste das murrende Orchester als “Falschspieler” und das Publikum als “Steuerhinterzieher” klassifiziert, genau das, was die besten Komiker auszeichnet: eine Spur Traurigkeit. Wie erschlagen vom Operetten-Wahnsinn bleibt er schließlich auf der Vorbühne liegen: er, der einzig normal Gebliebene in einer sich-zu-Tode-amüsierenden Gesellschaft. 

Die Aufführungsdaten der Fledermaus

Oper Kiel. Termine am 30. Januar, 11., 14. und 21. Februar sowie 14. März, 2., 12., 26. und 29. April, 3., 5. und 9. Mai sowie 13., 21. und 28. Juni. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de 

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