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Kultur Komplexes Thema, eindrückliche Form
Nachrichten Kultur Komplexes Thema, eindrückliche Form
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20:12 17.09.2018
Von Thomas Richter
Flashmob zur Eröffnung des bundesweiten Schultheater-Festivals, initiiert vom Wolfgang Borchert Gymnasiom in Halstenbek in Hamburg. Quelle: Juliane Häckermann
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Kiel

Der Wettbewerb findet dieses Jahr unter dem Motto „Flagge zeigen. Theater und Politik“ im Opernhaus, Schauspielhaus und RBZ Wirtschaft statt.
Im Opernhaus Kiel gab die Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule Wellingsdorf mit dem Stück „Na GOTT sei DANK!“ den Startschuss zum 34. BundeswettbewerbSchultheater der Länder“, der dieses Jahr unter dem Motto „Flagge zeigen. Theater und Politik“ im Opernhaus, Schauspielhaus und RBZ Wirtschaft stattfindet.

Kurz zuvor meldete sich Bildungs-Staatssekretärin Dr. Dorit Stenke bei der offiziellen Eröffnung mit einigen persönlichen Bemerkungen zu Wort. „Dieses Festival berührt zwei Anliegen, die mir ganz besonders wichtig sind: die kulturelle und die politische Bildung von Kindern und Jugendlichen“, sagt Stenke und freut sich über die Bandbreite und Relevanz der Themen. „Es geht um Macht und deren Missbrauch, es geht um Fragen, wie sich der Einzelne in die Gesellschaft einbringt und wie stark er durch sie beeinflusst wird.“ Beinahe brennglasartig bündelt die Religion  das angesprochene Themenspektrum. Um die vielen, oft ineinander verschränkten Facetten zu verdeutlichen, wählten die 21 Schüler eines Theaterkurses der Theodor-Storm Schule die Form einer Performance.     

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Opernhaus randvoll       

Das Opernhaus ist randvoll als in schwarz gekleidete Figuren auf der offenen Bühne zu orientalisch-sphärischen Klängen sehr langsam aber hervorragend durchchoreografiert die verschiedenen Gebets-Posen der Weltreligionen einnehmen. Ein gelungenes Anfangs-Tableau, das Unterschiedlichkeit und Harmonie gleichermaßen abbildet. Die tänzerische und mit viel Musik unterfütterten Darstellung bildet das Fundament der Inszenierung. Zuweilen steht aber das gänzlich stumme Spiel im Vordergrund. Da wo schlichtweg die Worte fehlen. Etwa in der Hinrichtungsszene, bei der wie in einer Pantomime Kreuzritter muslimische Frauen töten und ihre Körper anschließend zu einem Kreuz anordnen. 

Stilistisch in eine andere Richtung weist die beeindruckende Szene, in der auf der Bühne eine Club-Party gezeigt wird, und sogar das Publikum zu den wummernden Beats mitklatscht.  Ganz leise schleicht sich ein Selbstmordattentäter heran und bleibt in der Mitte der nun zu Boden gleitenden, eben noch Tanzenden stehen. Kein Knall, kein zusätzlicher Effekt. Aber dieses Bild braucht keine Hilfe. Es gab natürlich auch kraftvolle Textpassagen. So tragen „Muslime“ die fünf Säulen des Islam vor, und diese Glaubenssätze spiegeln sich dann in der Religion „Andersgläubiger“, die dann so anders gar nicht sind.  Zudem sind selbst geschriebene Lieder oder Versionen von Pop-Songs zu hören.

Einmal singt der Darsteller-Chor die wunderbare Zeile „Was immer du glaubst ist mir egal / Versprich mir, glaube immer an Dich.“  Am Ende stand das Opernhaus Kopf vor Begeisterung für einen Abend, der für sein komplexes Thema eine eindrückliche Formensprache gefunden hat. Der Fragen stellt, ernsthaft und reflektiert aber auch ironisch und witzig.

Noch bis zum 22. September im Opernaus, Schauspielhaus und RBZ Wirtschaft am Ravensberg.Programm und Restkarten an de Theaterkassen und im Internet unter www.theater-kiel.de