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Kultur Konzertfest zum 90. von Hans Gebhard
Nachrichten Kultur Konzertfest zum 90. von Hans Gebhard
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13:05 26.05.2019
Jubiläumskonzert zum 90. Geburtstag des ehemaligen Kieler Kirchenmusikdirektors Hans Gebhard (Mitte) in der St. Nikolai Kirche in Kiel: Initiiert von KMD Volkmar Zehner und KMD Thomas Dahl (vorn v.li.) und bereichert durch die Beiträge von Andres Uibo aus Tallinn (3. v. re.), Hayko Siemens aus München und Martin Haselböck (re.) aus Wien sowie den vereinigten Chören von St. Petri Hamburg und St. Nikolai Kiel. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Der rüstige Jubilar nahm guter Dinge die musikalischen Glückwünsche und Grußworte von Nicole Hansen für den Kirchengemeinderat und Hans-Jürgen Wulf als Landeskirchenmusikdirektor zu seinem 90. Geburtstag entgegen. Tenor: Ohne beharrliche Persönlichkeiten wie Gebhard keine beständige Kirchenmusiktradition.

Gut besuchte Nikolaikirche Kiel für Hans Gebhard

Und die Festgemeinde (vom frühen Mitsänger Justus Frantz über treue Solisten wie Kammersänger Hans Georg Ahrens bis zum Nachfolger Rainer-Michael Munz …) erlebte in der gut besuchten Nikolaikirche Kiel, wo Gebhard bis 1989 dreißig ertragreiche Jahre gewirkt hatte, in zwei fesselnden Stunden ein vielgestaltiges Hommage-Konzert. Das wäre im normalen Musikbetrieb gar nicht so kühn zu programmieren, geschweige denn so prominent zu besetzen gewesen.

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Initiatoren Thomas Dahl und Volkmar Zehner mit ihren Chören

Die Initiatoren, KMD-Nachfolger an den Kieler und Hamburger Wirkungsstätten, brachten ihre Chöre zum Lobpreis in Stellung. Thomas Dahl ließ seinen Bach-Chor St. Petri etwa in einer Vertonung des 130. Psalms von Heinrich Kaminski leuchtend aufstrahlen. Volkmar Zehner brachte die dynamisch reich gestufte Wärme seines Nikolaichores beispielsweise in Duruflés Ubi caritas et amor-Motette heraus. Vereint, mit Zehner an der Orgel und Dahl als Dirigent, präsentierte man sich in Ralph Vaughan Williams Te Deum klangmächtig.

Ehemalige Schüler an der Orgel: Hayko Siemens und Andres Uibo

Hayko Siemens, bis 2018 KMD an Münchens evangelischer Bischofskirche St. Matthäus, fächerte gleich in Dieu parmi nous aus Messiaens La Nativité die raumgreifenden und klangfarbenreichen Möglichkeiten der gekoppelten Orgeln am Alten Markt aus. Und der estnische Gebhard-Schüler Andres Uibo aus Tallinn malte in seiner Apocalypsis Symphonie aufs Schönste die konsonante Konstante gefestigten Glaubens an das neue Jerusalem ins dissonante Chaos der Welt hinein.

Ex-Kollege Martin Haselböck als Improvisationswunder

Aus Wien war mit Professor Martin Haselböck sogar ein Star der Alte-Musik-Szene angereist, obwohl er noch am Vorabend und am Folgetag dort Konzerte in der Jesuitenkirche zu spielen hatte. Der ehemalige Lübecker Musikhochschulkollege ließ nicht nur Franz Liszts wellenschlagende Choral-Fuge Ad nos, ad salutarem undam virtuos schäumen, er brachte sich mit herrlichem Schmäh und sarkastischer Lust an Dissonanzen auch als Improvisator mit politischem Unterton ein: So wurde nicht nur der hochmusikalische Name auf dem „Denkmal“ mit den Tönen „H-A-(n)-ES“ und „G-E-B-H-A-(Pause)-D“ zum Thema, sondern zugleich auch der aktuelle Korruptionsskandal an der sowieso selten unschuldig blauen Donau – „ADE-H.C.“ (Strache). Genial!

Jubiläumskonzert zum 90. Geburtstag des Kirchenmusikers Hans Gebhard in St. Nikolai Kiel.

Von Christian Strehk

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