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Kultur Oscars – Deutsche Märchenstund’ hat Chancen
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00:31 05.03.2018
Lässig vor der Oscar-Nacht: Die Regisseure Jan Lachauer (r.) und Jakob Schuh, Regisseure des Trickfilms „Es war einmal ... nach Roald Dahl“ beim Empfang der deutschen Oscar-Anwärter in der Villa Aurora. Quelle: dpa
Los Angeles

Es war zwar einmal … aber eben total anders. Das weiß der kluge böse Wolf, der sich in einen Mantel gehüllt hat und – weil so weniger auffällig in der Menschenstadt – aufrecht geht. Er erzählt die wahren Geschichten hinter den Grimmschen Märchen einer mollig-braven Nanny, die in einem Pub darauf wartet, abends auf zwei Kinder von gegenüber aufzupassen.

In der Villa Aurora genießt man die Ruhe vor der Oscar-Nacht

Dieser Film – „Es war einmal … nach Roald Dahl“ oder „Revolting Rhymes“ wie er international heißt, könnte in der Nacht zu Montag (5. März) den Oscar in der Kategorie „animierter Kurzfilm“ bekommen. Die gebürtigen Münchner Filmemacher Jan Lachauer und Jakob Schuh haben die Eintrittskarten für die Oscar-Verleihung in einem schwarzen Umschlag mit goldener Aufschrift. In der Villa Aurora, dem einstigen Heim des exilierten Schriftstellers Lion Feuchtwanger, findet vor dem großen Fiebern der traditionelle Empfang für die deutschen Oscar-Kandidaten statt.

Hier ist auch Regisseurin Katja Benrath. Die Lübeckerin hat ihr deutsch-kenianisches Team für den Kurzfilm „Watu Wote“ dabei. Der Film basiert auf einem Vorfall im Jahr 2015 an der Grenze zwischen Kenia und Somalia, als sich bei einem Terrorangriff von Islamisten auf einen Reisebus Muslime schützend vor Christen gestellt hatten. Eigentlich der Stoff, aus dem man ein abendfüllendes Drama machen könnte. Recherchiert und gedreht wurde in Kenia.

Der „Wettermacher“ wartet auf seinen Academy-Award

„Ganz Kenia wird sich die Oscars anschauen“, jubelt die Hauptdarstellerin Adelyne Wairimu bei ihrem ersten Besuch in Hollywood. „Zum ersten Mal ist ein Film aus Kenia nominiert, wir machen Geschichte.“ Bis auf die letzte Minute geben Benrath und ihre Kollegen Interviews, knüpfen in Hollywood Kontakte, jetten von Empfang zu Empfang. „Da ist alles von Stress bis Spaß dabei“, meint die leicht erschöpfte Regisseurin.

Nach zwei Tagen Regen scheint am Vortag der Gala wieder die Sonne. „Wir haben den Regen abgeschaltet“, witzelt Oscar-Anwärter Gerd Nefzer (52). Tatsächlich hat der gebürtige Schwabe in der Branche den Ruf als „Wettermacher“ weg. Für Denis Villeneuves Film „Blade Runner 2049“ hat er die Spezialeffekte gebastelt. Nebel, Regen, Schnee und Stürme waren seine Spezialaufgaben in der düsterschönen und wehmütig-poetischen Fortsetzung von Ridley Scotts Sci-Fi-Klassiker von 1982. Ehefrau Regina geht zur Oscar-Verleihung mit.

„Die Bafta-Preise in London waren schon die Generalprobe“, meint Regina Nefzer. Bei der Preisverleihung in London hatten Nefzer und seine drei Kollegen gewonnen. Und den Oscar? „Verdient hat er ihn“, meint die Ehefrau.

Freundschaftlicher Wettbewerb statt Wettkampf

Lachauer und Schuh, die Märchenmacher, genießen den Tag in der Villa, lassen den Blick über den Pazifik schweifen. Beide waren schon einmal für Kurzfilm-Oscars nominiert gewesen: Schuh und sein Kollege Max Lang 2011 für „Der Grüffelo“, Lachauer und Lang außerdem 2014 mit ihrem Zeichentrickfilm „Room on the Broom“. Bei der Oscar-Verleihung gingen sie aber bis jetzt leer aus.

„Das hier ist ganz entspannt, man fühlt sich kurz mal Zuhause in der Fremde“, sagt Schuh. Ihren Film haben sie in den vergangenen zwei Wochen – zusammen mit den anderen vier nominierten Trickfilmteams – pausenlos in Studios in Kalifornien gezeigt. „Das war total freundschaftlich und kein Wettkampf. Es sind alles starke Filme, wer immer den Oscar gewinnt, das ist total in Ordnung“, meint Schuh. Und das klingt nicht nach dem Wolf, der sich die Stimmbänder mit Kreide gefärbt hat.

Apropos: Was der Wolf der Nanny erzählt hat? Zum Beispiel sei Schneewittchen blond gewesen und die beste Freundin des recht flink mit der Pistole agierenden Rotkäppchens gewesen, was dann irgendwie auch zum frühen Ende der beiden Wolfsneffen Rolf und Rex geführt habe. Ferner seien die sieben Zwerge wettsüchtige Ex-Jockeys gewesen, das dritte Schweinchen mit dem steinernen Haus ein betrügerischer Banker, der Prinz ein echt fieser Möpp. Undsoweiter. Der wortgewandte Dahl, König der pointierten Kurzgeschichte und der überraschenden Wendungen hat in seinem Buch in wunderbar lässigen Reimen alles Märchenhafte neu getextet, bis er zu guter Letzt die Kraft der Vergebung beschwört.

Den Oscar-Anwärter gibt es schon auf DVD

Und Schuh und Lachauer haben das kongenial bebildert. Die schlichten, zauberhaften Figuren beleben brutalistisch-expressionistische und doch ungemein putzige Kulissen. Gesprochen von guten Leuten wie Christoph Maria Herbst, Eva Mattes, Devid Striesow und Katharina Thalbach ist der charmant gereimte Märchenmix eine amüsante Unterhaltung für Kinder aller Altersklassen, bei der alle, die am Ende übrigbleiben, glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage. Oder so ähnlich. Gibt’s auch schon auf DVD und BluRay. Wir drücken heute Nacht die Daumen!

Von Barbara Munker und Matthias Halbig

Jetzt kann fast nichts mehr schief gehen: In einem schwarzen Umschlag mit goldener Aufschrift stecken die Eintrittskarten für die Oscar-Gala. Den hat die Lübecker Regisseurin Katja Benrath beim traditionellen Empfang für die deutschen Oscar-Anwärter dabei.

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