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Kultur Große Symphonik großartig gespielt
Nachrichten Kultur Große Symphonik großartig gespielt
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08:00 28.03.2018
Von Jürgen Gahre
Zugabe nach der Karajan-Preis-Verleihung. Sol Gabetta und die Staatskapelle Dresden. Quelle: OFS/Creutziger
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Salzburg

Und so schlossen sich seiner fulminanten „Tosca“-Interpretation im Großen Festspielhaus drei Konzerte mit den jeweiligen Schwerpunkten Berlioz, Brahms und Mahler an, die allesamt von der Sächsischen Staatskapelle Dresden bestritten wurden. 

Wegen der hohen Eintrittspreise ist es nicht verwunderlich, dass ausschließlich beliebte und bekannte Werke zwischen Klassik und Romantik, zwischen Mozart und Mahler zu finden sind. Wer jedoch Lust auf Moderneres hat, der kann die Kammeroper „Satyricon“ von Bruno Maderna in der „republic“ sehen oder „Die Pilger“ von Sofia Gubaidulina im Mozarteum hören. Auch an die zukünftigen Konzertbesucher hat man gedacht, wenn es beim „Kinderkonzert für Kids“ heißt „Die Kapelle spielt auf“.

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Neckische und zarte Seiten

Ein willkommener Gast in diesem Jahr ist der Kolumbianer Andrés Orozco-Estrada, der zu den meistgefragten Dirigenten seiner Generation zählt. Einem süffig gespielten „Preludio sinfonico“ des 23-jährigen Puccini schloss sich das Konzert für zwei Klaviere von Mozart an, dem die Schwestern Katia und Marielle Labèque in perfektem Zusammenspiel neckische und zarte Seiten abgewinnen konnten. Hector Berlioz' ausufernde Symphonie fantastique ist ja ein Prüfstein für jedes große Orchester. Hier konnte sich Orozco-Estrada als Magier des Taktstockes erweisen.

Die Sächsische Staatskapelle folgte ihm willig und spielte die „Rêveries“ des ersten Satzes mit anmutiger Zartheit und bemerkenswerter Zurückhaltung. Umso drastischer und aufregender wirkte dann der „Marsch zum Richtplatz“ mit seinen schaurigen Effekten. Diese wurden im anschließenden Hexensabbat noch gesteigert, als das Orchester mit atemberaubender Virtuosität und Intensität das dämonische Treiben der Luft- und Höllengeister in einem grandiosen Klanggemälde nachzeichnete.

Bizarres Cellokonzert

Christian Thielemann begeisterte mit Felix Mendelssohns stimmungsvoller Hebriden-Ouvertüre, die die schottischen Inseln in den verschiedensten Farben und Formen vor dem geistigen Auge des Zuhörers erscheinen ließen. Dazu passt Robert Schumanns bizarres Cellokonzert, dessen romantische Essenz von der argentinischen Cellospielerin Sol Gabetta mit poetischer Verve betont wurde. Eliette von Karajan, die Witwe des großen Dirigenten, ließ es sich nicht nehmen, der sympathischen Cellistin den von ihr gestifteten, hoch dotierten Herbert-von-Karajan-Preis persönlich zu überreichen.

Diese bedankte sich mit einer kurzen Ansprache und Pablo Casals' berückend schön gespieltem „Song of the Birds“. Musikalischer Höhepunkt des Abends aber war Thielemanns Interpretation der Zweiten Sinfonie in D-Dur von Johannes Brahms. Das Pastorale und Heitere des ersten Satzes kam wundervoll zum Ausdruck, und im Allegretto grazioso ging es recht leichtfüßig und zauberhaft zu. Dann aber der Finalsatz dieser prachtvollen Sinfonie! Hier zog der Chef der Staatskapelle alle Register seines Könnens und inspirierte sein Orchester zu einem temperamentvollen Höhenflug sondergleichen. Jubel über Jubel!

Fröhliche Unbekümmertheit

Gustav Mahlers abendfüllende Dritte Sinfonie führt in eine ganz andere Welt, denn sie „beginnt bei der leblosen Natur und steigert sich bis zur Liebe Gottes“, wie er selbst über seine Dritte gesagt hat. Zwischen den beiden extrem unterschiedlichen Ecksätzen geschahen unerwartete Dinge:  Das traumverlorene, wehmütige Hornsolo klang fast kitschig, aber eben nur fast, dank der souveränen Kunst von Christian Thielemann! Dem tief empfundenen, von der Mezzosopranistin Elina Garanča makellos gesungen Nachtstück „O Mensch! Gib acht!“ auf  Verse von Nietzsche folgte ein in seiner fröhlichen Unbekümmertheit entwaffnendes „Bimm bamm“ des Salzburger Kinderchors, was von den Damen des Wiener Singvereins kunstvoll fortgesponnen wurde.

Wie Christian Thielemann und seine Sächsische Staatskapelle diese grandiose Mahlersinfonie in all ihren Kontrasten und Skurrilitäten und Bedeutungstiefen ausgelotet haben, das grenzte ans Wunderbare, das kam einer Offenbarung gleich! Der nach langer, sehr langer Stille einsetzende Jubel wollte kein Ende nehmen.

Alle drei Konzerte werden in gleicher Besetzung am 30. und 31. März und am 1. April (Ostersonntag) wiederholt. www.osterfestspiele-salzburg.at /

Ruth Bender 28.03.2018
Maren Kruse 28.03.2018