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Kultur Intendantin muss Schauspiel neu planen
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16:19 28.06.2019
Heiße Diskussionen am Landestheater - hier die Spielstätte Stadttheater Rendsburg. Quelle: Wolfgang Mahnkopf
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Rendsburg

Am Abend zuvor habe sie den Vorsitzenden des Aufsichtsrates Pierre Gilgenast über den Rückzug von Rolf Petersen in Kenntnis gesetzt. so Lemm. Unter Schauspielern, Theaterpädagogen und Dramaturgen war die Sorge aufgekommen, dass der von Lemm vorgesehene Leiter Niederdeutschen Bühnen in Schwerin und Flensburg nicht über ausreichend Erfahrung, Vision und Netzwerke verfügt. Nach für sie unbefriedigenden Vorgesprächen hatten sie sich in öffentlichen Brief(en) gegen die Besetzung gestellt.

Rolf Petersen bittet um Auflösung seines Vertrags

Petersen hat Lemm nach ihren Angaben nun um Aufhebung seines Vertrages, vorgesehen ab der Spielzeit 2020/21, gebeten. So könne sie nun ihre Vorbereitungstätigkeit „ohne den von mehreren Seiten erzeugten Druck“ weiter fortsetzen, da er davon ausgehe, dass eine „erfolgreiche künstlerische Tätigkeit am Landestheater für ihn unter diesen Umständen nicht möglich“ sei. Ute Lemm bedauerte seine Entscheidung, akzeptierte sie aber.

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"Intensives Gespräch" und "wechselseitiges Vertrauen"

Das Ensemble reagierte nach einem „intensiven Gespräch“ mit der künftigen Chefin positiv: Petersen habe eine Entscheidung getroffen, „die wir zutiefst respektieren und für richtig halten“. Jetzt seien Bedingungen für den Aufbau wechselseitigen Vertrauens gegeben.

Ensemble vermisste inhaltliche Erwiderung

Nachdem Lemm unter anderem den Kieler Nachrichten gegenüber ihr Bedauern darüber Ausdruck verliehen hatte, dass die Ensemblemitglieder mit einem offenen Brief die Öffentlichkeit suchten, statt intern über ihre unverrückbare Berufungsentscheidung zu diskutieren, legte die Belegschaft noch einmal nach: Man vermisse nach wie vor eine inhaltliche Erwiderung. Eine Zurechtweisung des Ensembles „hinsichtlich Arbeitsmoral und kommunikativer Vorgehensweise“ sei Fehl am Platz.

Blieben zahlreiche Fragen unbeantwortet?

„Bei der Vorstellung des künftigen Leitungsteams wurden unsere zahlreichen Fragen hinsichtlich des angestrebten Profils des Schauspiels, der bisherigen Haltung Rolf Petersens zum Landestheater, bezüglich der Inhalte, Themen, Leitgedanken nicht beantwortet, sodass wir – auf dessen Einladung hin – ein weiteres Gespräch mit dem ernannten Schauspieldirektor anberaumten“, so das neue Schreiben der Ensemble-Mitglieder.

Kein interessanter Theaterbetrieb ohne künstlerische Richtung

„In dieser Runde, in der ein intensiver Austausch über das künftig gemeinsam zu Schaffende, über Ziele und Ideen hätte stattfinden können, unserer Ansicht nach sogar hätte stattfinden müssen, wurde wieder der Begriff des ’ambitionierten Volkstheaters’ im Sinne Christoph Schroths genannt, ohne auch nur ansatzweise als Konzept beschrieben zu werden.“ Ohne erkennbare künstlerische Richtung sei jedoch kein interessanter Theaterbetrieb möglich.

Lemm sieht Potenzial in Petersen

Lemm dagegen traute Rolf Petersen über „seine durchaus ausgeprägten Netzwerke und seine Breite der Themen“ die Aufgabe zu: „Ich habe zum Beispiel von ihm in Schwerin das für mich bisher beste Kindertheater überhaupt gesehen."

Direktor der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne

Petersen ist seit 2003 Direktor der Schweriner Fritz-Reuter-Bühne. Die entscheidende Anregung, einen Theaterberuf zu ergreifen, kam von der Niederdeutschen Bühne Neumünster, bei dem er als Jugendlicher leidenschaftlich mitwirkte. Nach dem Abitur hat er in Hamburg eine Schauspielausbildung gemacht und Germanistik im Fachbereich Theater/Medien studiert.

Karl May und Niederdeutsches Theater

Am Ohnsorg-Theater Hamburg war Rolf Petersen als Schauspieler, Regieassistent und Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros engagiert. Außer einigen Abstechern als Oberspielleiter zu den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg blieb er dem niederdeutschen Theater treu, so auch als Leiter und Geschäftsführer der Niederdeutschen Bühne Flensburg, wo er, ebenso wie für die Fritz-Reuter-Bühne, auch Regie führt.

Aufsichtsrat wägt ab

Der Aufsichtsrat, vertreten durch seinen Vorsitzenden, den Rendsburger Bürgermeister Pierre Gilgenast, sah in der Auseinandersetzung eine „Feuertaufe“ für die zukünftige Landestheater-Intendantin. Man werde sie auf ihrem Kurs unterstützen, aber selbstverständlich mit Blick auf den Betriebsfrieden und angesichts eines offenbar massiven Problems auch die Argumente der Ensemblemitglieder hören, hieß es vor Petersen Rückzug.

Von Christian Strehk

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