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Kultur Schön bigott
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10:00 10.04.2017
Geben dem Zeitgeist Zunder: Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn. Quelle: Björn Schaller
Lutterbek

Die Rollen sind seit 1995 klar verteilt: Der Büttel am Klavier kann gegen den Meinungsführer am Mikro nicht ankommen. Auch im neuen Programm namens „Versuch und Irrtum“ sind Mehrfachdeutungen zwischen Bühnenbeziehung und Weltgeschehen durchaus möglich. Erneut aber dominiert Pigors Häme als Zeitgeistsezierer, der sich messerscharf über die Unbilden der Spezies Mensch beugt. Und Ärgernisse gibt es genug. Wissenschaftliche Vorgehensweisen? „Bärte zählen in Mitte“ zum Beispiel ist „Chanson des Monats April“ auf SWR2, WDR und DLF. Für diese Sender schreibt Thomas Pigor längst regelmäßig im Auftrag und lädt sich neuerdings auch Gäste dazu. Am Freitag und Sonnabend verknüpften Pigor und Eichhorn die jüngsten Chansons mit „theatralen Elementen“, was unter der bewährten Regie von Thomas’ Schwester Gertrud Pigor an zwei ausverkauften Abenden im Lutterbeker bestens gelang.

Im selbstironischen Spannungsfeld zwischen Medienkonsumkritik und anspielungsreicher Conference regierten in ihrem Cool Cabaret wie immer abstrus-rasante Reime aus Zitat und Subtext. Benedikt Eichhorn haut dabei mit Understatement alles auf die Tasten, was zwischen Barock, Barjazz und Volksmusik ins Bild passt: Zu Walzer und Marsch wird allem der historisch untermauerte Garaus gemacht, was zwischen „biedermännischer Geschichtsverdrossenheit“, Anti-Intellektuellen im Fernsehen, Berlintouristen, Muttertagsvergessern, Burka-Kritikern, Tierfreunden und anderen „Wir-Gruppen“ so läuft. Schön bigott und wirklich großartig.

Premiere: 19. Mai, Bar jeder Vernunft, Berlin.

Von Almut Behl

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