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Kultur Das Tönen der Farbklänge
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18:00 19.07.2019
Von Sabine Tholund
Kuratorin Muriel Meyer vor den Bildern "Japanisches" und"Frühling" von Rudolf Jahns.
Kuratorin Muriel Meyer vor den Bildern "Japanisches" und"Frühling" von Rudolf Jahns. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Sein vielseitiges Werk ist weit weniger bekannt als das seiner Mitstreiter, mit denen er 1927 die Künstlervereinigung „die abstrakten hannover“ gründete. Er zählt zu den Pionieren des Konstruktivismus in Deutschland, berühmte Künstlerkollegen wie Kurt Schwitters oder Carl Buchheister waren seine Freunde. Selbst stand Rudolf Jahns (1896-1983) eher selten im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Kunsthistorische Kleinodien

Man kann sie mit Fug und Recht als kunsthistorische Kleinodien bezeichnen, die Bilder und Grafiken des Autodidakten, der seine Techniken unter anderem in Abendkursen an der Kunstgewerbeschule Braunschweig verfeinerte, seinen Lebensunterhalt aber bis zu seiner Pensionierung 1957 als Zoll- und Finanzbeamter verdiente.

33 Werke aus den Jahren 1919 bis 1963

Die Ausstellung mit 33 Werken aus den Jahren von 1919 bis 1963 zeigt Jahns' Experimente mit der reduzierten Form sowie abstrakte (Stadt-)Landschaften und Aktdarstellungen – Arbeiten, in denen man hier und da Anklänge an seine künstlerischen Vorbilder Kandinsky, Klee und Feininger erkennt.

Famose minimalistische Landschaften

Famos sind seine minimalistischen Landschaften aus den 20er Jahren, elegant hingeschrieben als zartes Linienspiel mit Tusche und Rohrfeder. Zeitgleich entstehen farbenfrohe konstruktivistische Kompositionen, in denen wie selbstverständlich figurative Versatzstücke auftauchen: Ein grüner Kreis über brauner Vertikalform wird zum Baum, ein gelber Kreis zur Sonne in zwei Gemälden, die er Frühling nennt.

Kuratorin Muriel Meyer von der Rudolf Jahns Stiftung Kiel

„Die Natur zählt zu seinen wichtigsten Inspirationsquellen“, so Kuratorin Muriel Meyer, die als Volontärin der Rudolf Jahns Stiftung in Kiel arbeitet. „Dabei strebte er stets nach der Ausgewogenheit von Form und Farbe.“ Wiederholt vergleicht Jahns seinen Arbeitsprozess mit der Komposition von klassischer Musik: „Er suchte den Klang. Einzelne Farbelemente sind so wichtig wie Töne.“

Jahns' klare Formensprache

„Intuitiv bringe ich diese oder jene Farbe in die dazugehörige Form“ schreibt der Künstler 1924 in einem Brief an seinen Freund und Kollegen Walter Wilhelm. Wiederholt tauchen in seinen Bildern spielerische, experimentelle Elemente auf, die der klaren Formensprache des Konstruktivismus die Stirn bieten – sei es mit einer feinen Gitterstruktur, die eine Stadtlandschaft aus geschichteten Quadern und Dreiecken durchbricht, oder durch den Einsatz von Aquarelltechnik im Stile japanischer Meister, deren sanfte Farbigkeit die formale Strenge auflockert.

Spielerische Ausreißer

Selbst eine Reihe mit Kompositionen aus seiner konstruktivistischen Hochphase zwischen 1927 und ’29 weist mit dynamischen Versatzstücken spielerische „Ausreißer“ auf – vielleicht ein Grund dafür, dass Jahns sich bereits 1930 aus der Gruppe „die abstrakten hannover“ zurückzog, deren Mitglieder die konstruktivistische Haltung stringent verfolgten.

Geächtet von den Nationalsozialisten

Durch den Nationalsozialismus als „entartet“ geächtet, wird die abstrakte Malerei zwischen 1933 und 1945 verboten. Jahns wendet sich in diesen Jahren der Gegenständlichkeit zu, es entstehen nur wenige Bilder in dieser Zeit, die Kieler Schau zeigt keines davon. In den 50er Jahren knüpft er an sein früheres Werk an – und beweist unter anderem mit virtuosen, in einem Strich geschaffenen Aktdarstellungen, weshalb er in Künstlerkreisen als „Meister der Linie“ galt.

Die Daten zur Ausstellung

Kunsthalle zu Kiel. Düsternbrooker Weg 1. Bis 1. September. Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr. www.kunsthalle-kiel.de

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