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Kultur Von Pointen und Perspektiven
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20:56 14.06.2019
Von Thorben Bull
Platz 1 für Florian Hacke. Der Titelverteidiger fährt im Herbst nach Berlin zur Poetry Slam-Bundesmeisterschaft. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Zudem strotzen alle acht Kandidatinnen und Kandidaten vor thematischer Vielfalt und sahnen massig Punkte von der siebenköpfigen Jury ab, sodass die Vorrunden-Duelle denkbar knapp ausgehen, bevor im finalen Vierer-Stechen der Sieger ermittelt wird.

Florian Hacke fährt nach Berlin

Die beste Nachricht hört am Ende des Abends allerdings Florian Hacke, der als Titelverteidiger im Herbst nach Berlin zu den Bundesmeisterschaften reisen wird. Dafür setzt er sich in der Vorrunde gegen Anna Bartling durch, in der Hacke die Angriffsfläche bietenden Begriffe aus der Medienlandschaft gnadenlos ausnutzt. Da wären die „Helikopter-Eltern“, was bei Hacke zum Hass auf „Mami-Blogs“ führt, sagen diese doch von „Hashtags“ umringt aus: „Schaut mal, wie toll alles bei uns ist.“ So wie Hacke den Schein der Unterhaltungsindustrie entlarvt, hätte Anna Bartling den Finaleinzug eigentlich ebenso verdient. Mit der Idee, ihrem eigenen, 15-jährigen Ich nach Tagebuchlektüre von damals einen Brief zu schreiben, lässt sie persönlich tief blicken. So bleiben Selbstvorwürfe nicht aus, doch auch die erleichternde Erkenntnis, die damaligen Pläne nicht verwirklicht zu haben.

Wismar mit vor die Tür“?

In die Endrunde schafft es hingegen Lennart Hamann mit seinem Text über Neid. Dabei nimmt er die Rolle des weißen, mittelständischen Mannes ein, der am Stammtisch motzend nach unten tritt, spannt so den Bogen zur Flüchtlingspolitik, bis er in der Pointe zum Perspektivwechsel anregt. Gleichwohl geht der Text von Konkurrentin Carina Hansen über die Frage nach Heimat ans Herz. Feinfühlig beobachtet sie: „Wenn man weiß, dass die Treppe 28 Stufen hat und die vierte knarzt.“ Dass für Felix Treder der Weg ins Finale führt ist anhand seines gewitzt ausgeklügelten Städtenamen-Textes und der hellen Freude des Publikums daran abzusehen. Sätze wie „Wismar mit vor die Tür“ oder „Dresden Hahn zu“ folgen im Dauerfeuer bis Treder gar am Rap kratzt.

Wandel, Eloquenz und ein hohes Maß an Empathie

Doch in der Schlussrunde ist kein Wort gegen Florian Hacke gewachsen. Der simple Satz seiner dreijährigen Tochter „Papa, du bist schön“ veranlasst Hacke zu einer Rückschau auf seine von Mobbing geprägte Schulzeit. Vom bissigen Humor seines ersten Textes fehlt hier jede Spur. Für Wandel, Eloquenz, hohes Maß an Empathie und nicht zuletzt folgender Pointe gibt es von der Jury die meisten Punkte: „Seinen nächsten kann nur lieben, wer sich selbst auch mag.“

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