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Kultur Politischer Groschenroman
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07:08 27.02.2019
Von Ruth Bender
Regisseur Malte Kreutzfeldt schätzt an dem Roman auch das Breitwandformat. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Die Elenden war damals das, was heute Kino und Netflix bieten: gute Unterhaltung“, sagt Malte Kreutzfeldt über den Monumentalroman, den Victor Hugo 1862 in der Verbannung auf Guernsey fertigstellte. „Ein Blick auf Missstände und Moral im Frankreich des beginnenden 19. Jahrhunderts – in einer sehr guten Verpackung.“ Einen „politischen Groschenroman“ nennt der Regisseur das Buch auch, und verweist auf den Genremix von Liebe, Abenteuer, Stationendrama, Bildungsroman.

Das Musical untergräbt die Vielschichtigkeit

Zusammen mit Dramaturg Jens Paulsen hat Kreutzfeldt, zuletzt 2016 mit Schillers Jungfrau von Orleans in Kiel aktiv, das Buch dramatisiert und lässt die Geschichte nun in vier Stationen ablaufen. Nicht als das weithin bekannte Musical, sondern als Schauspiel. „Ich finde, das Musical ist dem Stoff als Genre nicht angemessen“, sagt der Regisseur. „Es untergräbt die Vielschichtigkeit. Da wo Hugo tragisch ist, ist das Musical höchstens melodramatisch. Wo es komisch ist, macht das Musical vielleicht Comedy. Die Amplitude ist einfach flacher.“

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16 Schauspieler auf der Bühne

Wie meist hat Kreutzfeldt auch hier als sein eigener Bühnenbildner fungiert: „Ich wollte etwas, das alle Stile fasst. Das Spiellust macht.“ So entstand die Idee einer Art Manege, auf der die Protagonisten wie im Zirkus ins Licht treten. „16 Schauspieler“, sinniert er, „das ist eine Herausforderung. Aber eigentlich fühle ich mich eher wie die Reiseleitung, die den Leuten auf den Weg hilft.“

Anrührend und politisch

Den Helden Valjean übrigens fand Kreutzfeldt zunächst gar nicht so aufregend: „Was für eine Lichtgestalt?“, sagt er, „wen soll die denn interessieren?“ Aber letztlich geht es in dem Buch um die Suche nach dem Platz im Leben - und „das ist anrührend, und es ist politisch.“

Premiere, 1./2. März, 20 Uhr, Schauspielhaus Kiel. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de