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Kultur Warme Klänge bei steifer Brise
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18:00 28.07.2019
Von Kai-Peter Boysen
Charmanter Indie-Folkpop am Deich von Kalifornien: in der Abendsonne die Band Scotch & Water aus Hamburg. Quelle: KAI-PETER BOYSEN
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Schönberg

Für das Booking ist auch hier das Musikcafé und die selbst bezeichnete „Kulturzentrale Kiel-Süd“ Prinz Willy zuständig. Vier Bands aus Hamburg und Freiburg lockten zur Premiere am Sonnabend, und trotz steifer Brise am Deich genossen gut 200 Interessierte die Atmosphäre am Ostseestrand von Kalifornien.

Stimmungsvolle Folkpopsongs am Deich

Beim Eintreffen haben sich am Abend schon viele ein Plätzchen gesucht, sei es ein Liegestuhl vor dem Ankerplatz No. 4 oder ein Stück Deichrasen. Ein großes Zelt dient als Backstageraum und Techniklager, gespielt wird neben dem Zelteingang. Die dreiköpfige Band Taylor aus Freiburg hat gerade mit inspiriertem deutschsprachigem Pop auf ihr kommendes Album Helden von morgen neugierig gemacht, dann folgt das Joseh Trio aus Hamburg. Joseh, als Sohn philippinischer Musiker in Japan geboren, bringt mit Unterstützung von Percussion und Harfe stimmungsvolle Folkpopsongs wie In "The Valley Of Deep Waters" zum Schwingen und hat ein richtig gutes Händchen für dringliche Melodien und Rhythmen, die einem vertraut und doch neu vorkommen. In voller Besetzung besteht die Band aus acht Musikern, man mag sich gern ausmalen, wie viel polyphonische Dynamik hinzukommt, wenn bereits das Trio so prächtig harmoniert. Gerade läuft auf Startnext das Crowdfunding für das dritte Album Entropy.

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Mit lässigen Soul in der Stimme

Da sich auf der ganzen Breite des Deiches vor dem Hotel Zuhörer eingefunden haben, ist die Ausrichtung der Bühne beziehungsweise des Spielortes auf den Betonsteinen neben dem weißen Technikzelt nicht leicht. Das folgende Quartett Scotch & Water öffnet sich dem Publikum optisch und akustisch mit charmantem Indie-Folkpop. Seit knapp zwei Jahren kennen sich die Musiker und werden in Kürze ihre erste EP veröffentlichen. Sängerin Samira Christmann hat einen lässigen Soul in der Stimme, die Band spielt sehr dichte Himmelsstürmer wie Moving On oder Running, lehnt sich trotz knackig funkiger Gitarre mit Time auch mal zurück.

Der Wind treibt die Menschen in die Jacken und Decken

Die Sonne geht allmählich unter, Willy und zwei helfende Hände richten Scheinwerfer auf die Band aus, der Wind treibt die Menschen in die Jacken und Decken, ein paar Touristen und/oder Strandrückkehrer zuckeln durchs Konzertgeschehen, manche bleiben stehen, um den Klängen von Scotch & Water zu lauschen. Die ernten langen Applaus und übergeben die Abendstimmung an Port Joanna, einen weiteren vielversprechenden dynamischen Soulact aus der Hansestadt.

Sommerfrisch und musikalisch top besetzt

Gelungene Premiere am Strand von Kalifornien, die obligatorischen Picknickkörbe waren zwar dabei, aber der Ankerplatz No. 4 wurde von den Besuchern reichlich genutzt, um sich mit Speisen und Getränken zu versorgen. Lediglich der Standort der Bühne müsste noch nachjustiert und die Technik optimiert werden, da das Publikum vor allem vor dem Auftritt von Joseh wegen technischer Probleme einige Geduld aufbringen musste. Bleibt zu hoffen, dass die Sammelbüchse für die Gagenspende gut gefüllt war, denn der Abend war nicht nur sommerfrisch, sondern auch musikalisch top besetzt.

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