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Kultur Tochter: Ausdruck mit offenem Visier
Nachrichten Kultur Tochter: Ausdruck mit offenem Visier
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16:12 12.07.2019
Von Thomas Richter
Die Berliner Band Tochter (Elise Eißmann und Niklas Kortländer) im Prinz Willy in Kiel.  Quelle: Björn Schaller
Kiel

Als Sängerin Elise Eißmann und Gitarrist Niklas Kortländer den Song schrieben, firmierten sie noch unter dem Namen eißzeit, waren erfolgreiche Lokalmatadoren der Hauptstadt und tourten durch sämtliche noch so kleine Klitschen der Republik. Jetzt der große Wurf. Ein Vertrag beim Label-Riesen Universal und die Geburt eines neuen Bandnamens: Tochter. Ok. Und ob nun Zufall oder das Werk höherer Rock 'n' Roll-Mächte. Dass diese Zwei sich einst trafen und beruflich wie privat beieinander blieben, jedenfalls ist ein echter Segen. Denn Tochter bläst eine anständige Portion Pfeffer ins vom vielen Feiern breit gesessene Hinterteil deutschsprachiger Popmusik.

Müheloser Wechsel von Elisa Eißmann                                     

Bereits der Opener "Komm mal runter" zeigt nachdrücklich, warum das so ist. Dieser Song, voller Energie, voller Widerstand gegen Müßiggang, Versagensängste und Zweifel ist so scharfkantig-schön, spielt dabei so leichtfüssig, gleichwohl jenseits aller Banalität mit den Mitteln des Funk, Pop und Rock, dass es eine Freude ist. Elisa singt mit offenem Visier. Ihre Stimme wechselt von zarter Sensibilität, über die kratzbürstige Keckheit eines Girlys bis hin zu frei ausbrechender Rage. Mühelos wechselt sie vom gesanglichen Tiefenbereich in die angeraute Kopfstimme und schmirgelt mit dieser eruptiven Stimmgewalt alle Niedlichkeiten weg.

Tochter: Sattes Akkorden und markiger Anschlag in Kiel

Beispiele? "Aus der Bahn", "Immer wenn", "Gegen den Strom" oder "Elektrisch". Niklas mit Gitarre und Fuß-Percussion erzeugt viel Druck, treibt seine Partnerin mit satten Akkorden und markigem Anschlag in und durch die melodiösen, exzellent gebauten Songs. Zudem beweist er sich bei der traurigen Ballade "Weit weg" auch als Könner der zurückhaltenden Akzentuierung. Zusammen ist das alles purer Ausdruck mit großer Strahlkraft. Dahinter verbirgt sich keine wohlfeile Attitüde, die Lieder des Duos sind jederzeit relevant und entwaffnend ehrlich. Wie auch der aufrüttelnde Song "Anna" über die Essstörung einer guten Freunden ("Sie lebt vom Finger in den Mund"). Während der Ansage setzt sich Elise an den Bühnenrand und spricht ganz offen, sensibel, verletzlich, aber gänzlich ungebrochen von ihrer eigenen überwundenen Bulimie-Erkrankung. Eine starke Szene, ein starker Song. Und – erstaunlich genug – es ist gerade dieser Titel, der die Plattenbosse bei Universal überzeugte. Video und Platte erscheinen im August.

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