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Kultur Zwischen Wehmut und Weisheit
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19:14 07.09.2018
Gefühlvoller Menschenfreund am Klavier: Rainer Bielfeldt im Lutterbeker. Quelle: Björn Schaller
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Lutterbek

Was diese schon im Kindesalter zu Klein-Rainer sagte, ploppt im reifen Mannesalter wieder hoch, wenn der 54jährige sich über Sehnsüchte, Erinnerungen und Lebenssinn Gedanken macht und erkennt, wie Recht seine Oma hatte mit einer Lebensgestaltung, die kontemplative Gegenwärtigkeit zum Ziel hat.

Am Donnerstagabend stellte der Komponist zahlreicher (Familien-)Musicals, darunter „Das Sams“ oder „Pipi feiert Geburtstag und langjährige Begleiter von Chansonniers wie Tim Fischer und Gayle Tufts das Album mit dem Titel „Die Erinnerung von morgen“ kim Lutterbeker vor und erwies sich als authentischer, sympathischer und bewegender Liedermacher.

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Immer "irgendwie dazwischen"

Es geht um Fluchtreflexe in Beziehungen, um Trennungsschmerz und Sehnsucht, aber auch um ganz normale Macken von Menschen, als dessen zutiefst freundlicher Beobachter und -kenner Bielfeldt sich erweist. Er selbst sieht sich -  typisch Künster -  als „irgendwie dazwischen“, wenn er Typen und Lebensentwürfe besingt, immer mit kleinen Metaphern versehen, immer zwischen Wehmut und Weisheit und einem kleinen Augenzwinkern.

 „Wär’ mein Herz ein VW-Käfer ,wären die Beulen darin ziemlich egal“ sinniert er in „Gute Reise, mein Herz“.  Mit jungenhaftem Charme erzählt der gebürtige Hamburger im familiär besetzten Lutterbeker aus seinem Leben, berichtet Kurioses aus seiner Karriere („ich sollte mal zum deutschen Richard Clayderman aufgebaut werden“) und spannt ein musikalisches Netz zwischen easy listening, Pop, Chanson und Ballade, das das gebannte Publikum gefangen nimmt. Zwischendurch ernste Miniaturen aus seinem früheren Programm mit Julia Kock über die jüdische Dichterin Mascha-Kaleko, wo es eher dissonant, minimalistisch und fast atonal aus dem Flügel tönt, aber auch mit „Ich hab dich so lieb“ die Verbeugung vor Joachim Ringelnatz.

„Ihr seid die Hölle, die mich wärmt“ ruft er zur „Sommerwürstchenschmurgelei bei Wölfchen und Renate“ und erweist sich in „Große Mädchen“ als komplett ironiefreier Versteher einsamer Frauen. Liebevoll, musikalisch mit allen Wassern gewaschen und von weiser Jugendlichkeit. Der Mann muss wiederkommen. 

Von Almut Behl

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