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Kultur Schauspieler der leisen Töne
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19:18 16.04.2019
Von Ruth Bender
Rainer Jordan in der Rolle von Shakespeares "König Lear". Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Sein König Lear trat 2011 als ein stiller, alltäglicher Mann auf die Bühne, mehr Beckett als Berserker; der Narr nannte ihn gern „Opa“. Oder Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists "Zerbrochnem Krug" – den spielte Rainer Jordan am Kieler Schauspiel 2010 leiser und melancholischer als sonst üblich – dafür mit einem Hauch Woody Allen. Und mit dem "Hauptmann von Köpenick" setzte er 2015 noch einmal ein Glanzlicht: „Rainer Jordan weiß auf wunderbare Weise davon zu erzählen“ – wie einer in der Zwickmühle der Verwaltung zerbröselt. So beschrieb es damals Christoph Munk in dieser Zeitung.

Flüchtig und unübersehbar

Rainer Jordan konnte das, seine Figuren im Zurücknehmen präsent, in der stillen Geste groß machen. Flüchtig und gleichzeitig unübersehbar waren sie dabei. 1943 geboren und bei Bremen aufgewachsen, kam Jordan 1990 ans Theater Kiel und wurde schnell zur festen Größe. Er spielte den Kunstfreund Serge in Yasmina Rezas Kunst, war Tartuffe und Max Frischs Biedermann, spielte Becketts "Warten auf Godot" und Comedia dell’Arte.

Hochkarätige Altersrollen

2006 hatte sich der Schauspieler schon von der Bühne verabschiedet – kehrte aber 2009 bis 2015, nach dem Tod seiner Frau Heidi, doch wieder zurück ans Theater. Und Daniel Karasek fand als Schauspielleiter und Generalintendant hochkarätige Altersrollen, die Jordan mit der ihm eigenen Beiläufigkeit zum Glänzen brachte. Immer wieder ließ er dabei dem Komiker Raum. Gern mit dem stoischen Witz in der Tradition von Loriot.

2012 ernannte ihn das Theater zum Kammerschauspieler. Doch die eigene Person ließ Jordan gern hinter den Figuren verschwinden; nur wenn es um Fußball und „seinen“ Verein Werder Bremen ging, dann brach sich Leidenschaft Bahn. Das Laute war nicht seine Sache, lieber hüllte er seine Figuren in stille Versponnenheit und erkennende Komik. Am 10. April ist Rainer Jordan in Altenholz gestorben; seine Auftritte aber glimmen nach.