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Kultur Rasante Verschmelzung
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19:20 28.08.2014
Von Markus Weber
Trompeter Randy Brecker und Saxofonist Peter Bolte ritten immer wieder schwindelerregende Solo-Attacken. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Verantwortlich dafür ist ein Mann mit Schiebermütze und legerem Hemd.

Randy Brecker spielt sich im Herzen des Ensembles mit endloser Entspanntheit durch die eigene Musikgeschichte: solierend, begleitend, lauschend. Wenn der sechsfache Grammy-Gewinner die Trompete ansetzt, schweigt die Zunft. Der 68-Jährige hat ein Musikerleben geführt, das für zwei, drei Karrieren reicht. Kein Superstar von Frank Zappa, Lou Reed und Bruce Springsteen über Parliament und Funkadelic bis zu Charles Mingus und Art Blakey, die nicht auf seine kraftvolle Funkiness an Trompete und Flügelhorn gesetzt hätten. Noch heute hat diese rasante Verschmelzung von virtuosem Hard-Bop und Dancefloor-Grooves nicht von ihrem Feuer eingebüßt. Songs wie Squids und Inside Out brennen lichterloh, sorgen im Schloss für Begeisterungsstürme. Auch, weil der Funk im komplexen Soundgeflecht der Bigband stets vital und elastisch bleibt.

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 Überhaupt ist es eine besondere Leistung der von Jörg Achim Keller geleiteten NDR Bigband, die Struktur gerade der rasanten Stücke im komplexen Soundkörper einer 19-köpfigen Bigband nicht zu verwischen und aufzuweichen. Die Arrangements vertragen sogar schwindelerregende Soloattacken aus den eigenen Reihen, besonders vom fast alle Grenzen niederschmetterndem Peter Bolte und dem läsigen Fiete Felsch an den Altosaxofonen. Auch die Improvisation von Gitarrist Bruno Müller, etwa beim blueslastigen, leicht verkaterten Threesome vom Brecker-Brothers-Album Straphangin, könnte schon fast als solistisches Störmanöver betrachtet werden.

 Überhaupt ist das heute keine One-Man-Show. In jedem Song bekommt mindestens ein Musiker Gestaltungsspielräume. Brecker mischt sich solistisch mit Bedacht ein, stets das Stück im Blick, seine Wirkung, seine Ausformung im Spiel mit der Bigband. Breckers technische Klasse, sein Ideenreichtum und seine unnachahmliche Art, den reinen Trompetenton aus der elektronischen Hülle schälen, dienen den Songs, nicht dem Ego. Luftige Balladen im zeitlosen Modern Sound wie Adina vom The-Brecker-Brothers-Reunion-Album mit seiner Frau Ada Rovatti anstelle seines 2007 verstorbenen Bruders Michael, von sanfter Saudade umspülte brasilianische Kompositionen wie Sozinho, komplexer Hard-Bop (There’s A Mingus A Monk Us) und bluesig röhrende Funk-Rocker (Inside Out). Die Sache hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler: Nach der Zugabe ging das Saallicht zu schnell an, um die Ovationen stehend vorzutragen. Angemessen wäre es gewesen.