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Kultur Revolution als großes Spektakel
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16:29 04.12.2008
Kiel

In der alten Maschinenhalle auf dem Wiker Marinegelände probt Regisseur Michael Uhl zusammen mit einem Bataillon von Schauspielern und Statisten emsig den Matrosenaufstand vom November 1918. Im selben Gebäudekomplex ist übrigens auch die telegene Dienststellevon Tatort-Kommissar Borowski beherbergt. Zur Zeit hat der jedoch Drehpause. Eine gute Gelegenheit, hier ein Theaterspektakel aufzuziehen, wie es die Stadt schon lange nicht mehr gesehen hat. In insgesamt einem Dutzend Räumen inszeniert Uhl, der im Umgang mit theaterfremden Außenspielorten bereits Erfahrung gesammelt hat, jene Kieler Ereignisse, die zur ersten, wenngleich nur kurzlebigen, parlamentarischen Demokratie auf deutschem Boden führten.

Das Auftragsstück, das das Autorenpaar Robert Habeck (nebenbei SH-Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen) und seine Ehefrau Andrea Paluch für das Theater geschrieben hat, hatte ursprünglich tatsächlich nur jene erste Novemberwoche des Jahres 1918 zum Thema und war eher als Kammerstück konzipiert. "Das Problem der meisten Historiendramen", erklärt Michael Uhl, "ist, dass da oft sehr viel historisches Vorwissen vorausgesetzt wird. Ich selber hatte, als man mir das Stück anbot, nicht viel Ahnung von den damaligen Vorkommnissen. Mir war es wichtig zu zeigen, was die angeblichen Meuterer schon alles an Kriegswahnsinn hinter sich gebracht hatten, ehe es zum Aufstand kam."

Im Einvernehmen mit den Autoren gibt es nun also eine Art Vorspiel, welches mit der Kriegsbegeisterung der Deutschen anno 1914 beginnt und in Form einer begehbaren Installation präsentiert wird. In den zahlreichen Räumen im Erd- und Kellergeschoss des Gebäudes werden die Schauspieler assoziative Szenen spielen und authentische Texte aus den Kriegsjahren rezitieren, "vom Kochrezept bis zur Gebrauchsanweisung für den korrekten Umgang mit dem Bajonett", erläutert Dramaturg Jens Paulsen.

Das eigentliche Stück wird danach im Hauptraum gespielt. Und hier kommen sie dann alle zum Zuge, die Helden und Buhmänner der Geschichte, in verdichteter, prototypischer Form. Im Zentrum steht der politische Konflikt zwischen dem SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Noske, der die Lage wieder glätten soll, und dem idealistischen Anführer des Aufstands Fritz Kemp, der sich an die historische Figur des Karl Artelt anlehnt. Fürwahr eine äußerst komplexe Geschichte, die auch den Schauspielern ein gehöriges Maß an historischem Verständnis abverlangt.

Für die ebenso großzügige wie nicht selbstverständliche Zusammenarbeit mit der Marineverwaltung sind die Theatermacher dankbar. Immerhin handelt es sich um ein Kapitel der Geschichte, das noch immer vielen Altgedienten steinschwer im Magen liegt. "Als wir anfragten, ob uns jemand das Exerzieren beibringen kann, hat man uns sofort geholfen", so Paulsen. Für die Premiere hat sich hoher Besuch angekündigt, allen voran Grünen-Chefin Claudia Roth, die ja bekanntlich selber mal als Theaterfrau angefangen hat.

Premiere (ausverkauft): Sonntag, 7. Dezember 2008, 19 Uhr, alte Maschinenhalle auf dem Marinegelände, Arkonastr. 1 (Treffpunkt: Torbogen am Eingang). Warme Kleidung und festes Schuhwerk empfohlen!

Weitere Aufführungen: 9., 12., 17., 19., 21. Dezember 2008, Karten-Tel.: 0431 - 901 901; www.theater-kiel.de

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