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Kultur Eine Achterbahn der Gefühle
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08:59 30.11.2019
Von Sabine Tholund
Sympathisch und nahbar Hannelore Hoger in Kiel. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Wie schon mehrfach in Kiel begleitet von Siegfried Gerlich, der am Klavier atmosphärische Akzente zwischen ihre Rezitationen setzte, bestritt sie den ersten Teil des Abends mit Liebes- und Abschiedsbriefen von Frauen an ihre (Ex-) Männer. Viele der Absenderinnen sind bekannt, wenn nicht, dann sind es die Namen des Adressaten. Traurige Briefe sind darunter, streitbare, spöttische, verschmitzte und verzweifelte.

Nur das Pfeifen klappte nicht

Gleich mit dem ersten Text aus dem Chanson „Ich liebe dich, kann ich nicht sagen“, warf die Hoger ihr schauspielerisches Können in die Waagschale. In einer Mischung aus Text und (Sprech-)Gesang ließ sie eine Frau lebendig werden, die sich scheut, die magischen drei Worte an ihren Liebsten zu richten. Rauchig-verrucht gelingt der Vortragenden ein vorsichtig gesummtes „Dadada“ im Refrain – ihr Versuch, die Melodie zu pfeifen geht jedoch völlig daneben. Kein Problem für Hannelore Hoger, die sich köstlich drüber amüsieren kann.

Schnöde Fakten, vielsagende Blicke

Sympathisch und nahbar wirkt die Hamburgerin, die in ihrer langjährigen Rolle als Fernsehkommissarin Bella Block eher die Kratzbürstige, Streitbare gibt. Mit viel Empathie versetzt sie sich in die Briefschreiberinnen, deren Lebensgeschichten sie in knappen Sätzen skizziert. Simone de Beauvoir ist dabei mit der anrührenden Bitte um die Fortdauer der Freundschaft zu ihrem einstigen Geliebten. Oder Agnes von Kurowsky, die sich nach einer kurzen Affäre von dem um sieben Jahre jüngeren, erst 19-jährigen Ernest Hemingway verabschiedet, „nachdem sie sich in einen Millionär aus Neapel verliebt hat.“ Kommentarlos benennt Hoger die schnöden Fakten, ihre Blicke sprechen indes eine deutliche Sprache. Und so macht sich mitfühlendes Lachen im Saal breit, wenn sie mit hochgezogener Augenbraue liest, dass Agnes „die Gefühle einer Mutter“ für den armen „Ernie“ hegt.

Mal weinerlich, mal kokett betont

Mit den Verfasserinnen wechseln die Klangfarben dieses gelungenen Rezitationsabends. Tief und ein wenig schleppend wird Hogers Sprachduktus bei einen Brief von Marlene Dietrich, in dem die alternde Diva ihrem Freund, dem Schriftsteller Erich Maria Remarque, von ihrem Gefühl der Einsamkeit in ihrem letzten Rückzugsort Paris schreibt. Mit leichtem französischen Akzent und koketter Betonung würzt die Schauspielerin ein Schreiben von Anais Nin, die sich selbst als „größte Liebhaberin der Welt“ sieht, ins Weinerliche lässt sie ihre stockende Stimme beim Verlesen der Zeilen einer Verzweifelten kippen, die von ihrer großen Liebe H.G. Wells verlassen wurde.

Nach dieser Gefühlsachterbahn bestimmten satirische, komische und aberwitzige Texten aus der Feder von Kurt Tucholsky und Co den zweiten Teil der Lesung, die ein rundum zufriedenes Publikum aus dem ausverkauften Kulturforum in die Nacht entließ.

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