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Kultur Mischung aus Toleranz und Verzweiflung
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14:52 24.03.2019
Von Sabine Tholund
Rotterdam im Werftpark-Theater: Szene mit Fiona/Adrian (Cuyén Biraben), Alice (Patricia Windhab) und Josh (Sebastian Kreuzer). Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Doch welche Chance hat eine homosexuelle Beziehung, wenn ein Partner den Wunsch äußert, das Geschlecht zu wechseln? Jon Brittain geht dieser Frage nach in seinem Theaterstück „Rotterdam“, das im Jungen Theater im Werftpark im Rahmen der Themenwoche „Ganz schön anders“ in deutscher Erstaufführung Premiere hatte.

Wie unter einem Brennglas zeigt Regisseur Johannes Ender die Veränderung, die sich durch Fionas Outing in die Lebensgemeinschaft schleicht. Seine Bühne ist knapp einen Meter tief - ein schmaler Streifen ganz nah am Publikum, auf dem eine Wohnküche Platz hat (Bühne und Kostüme: Hannah Landes). Hier wird ein Alltag gelebt, wie ihn eigentlich jeder kennen könnte, und das vierköpfige Ensemble agiert so authentisch, als würde man den Figuren bei ihrem Leben zusehen.

In Videos kommen Menschen aus der Transgender-Bewegung zu Wort

Mit Augenmaß macht Cuyén Biraben die sukzessive Verwandlung von Fiona plausibel. Anfangs noch feminin gekleidet, verändert sie von Szenen zu Szene mit der Kleidung auch ihre Körpersprache. Die Umzugspausen nutzt der Regisseur für Video-Einspielungen, in denen Menschen aus der Transgender-Bewegung zu Wort kommen, die unter anderem den Wunsch nach mehr Recht auf Selbstbestimmung und weniger Diskriminierung formulieren.

Die Interviews vertiefen das Bühnenspiel und machen auch das Dilemma von Alice nachvollziehbar. In einer Mischung aus Toleranz und Verzweiflung zeigt Patricia Windhab den fast aussichtslosen Kampf einer Frau, die Frauen liebt und die Verwandlung ihrer Geliebten in einen Mann irgendwann nicht mehr erträgt. Großer Applaus.

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