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Kultur SHMF 2015: Tschaikowsky ist Leitmotiv
Nachrichten Kultur SHMF 2015: Tschaikowsky ist Leitmotiv
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21:05 31.08.2014
Von Konrad Bockemühl
Eva Albers (2.v.l.) und Birgit Comberg haben mit den ehrenamtlichen Festivalbeiräten Großes geleistet und zuletzt 450 Mitwirkende des „Elias“ bei den Proben in Kiel umsorgt und beköstigt, NDR-Intendant Lutz Marmor (links) war SHMF-Intendant Christian Kuhnt erneut ein wichtiger Konzert-Partner. Quelle: Konrad Bockemühl
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Wer hätte das gewusst: Eine Woche weilte Peter Tschaikowsky im Winter 1887/88 in Lübeck, um sich hier „in Einsamkeit zu verbergen ... und auf kommende Qualen mit Geduld zu warten“. Die kommenden Qualen waren die (erfolgreiche) deutsche Erstaufführung seines 1. Klavierkonzertes b-moll und seiner 5. Sinfonie. Das SHMF will den großen russischen Komponisten mit dem komplizierten Seelenleben 2015 zum Leitmotiv machen und dabei seine wenig bekannten Verbindungen zum deutschen Norden aufzeigen.

 Was für Dimensionen so ein Leitmotiv haben kann, zeigte sich mit dem Mendelssohn-Schwerpunkt dieses Sommers: Mit 85 stand gut die Hälfte der 164 Konzerte mit dem Hamburger Komponisten in mehr oder weniger direkter Beziehung, resümierte Christian Kuhnt am Sonntag kurz vor dem Finale mit dem „Elias“ in Kiel. Was von Tschaikowsky, in dessen 5. Sinfonie gerade Christoph Eschenbach in Hamburg und Lübeck einführte, im kommenden Jahr zu erwarten ist, verriet Kuhnt noch nicht – er will sich wieder um unbekannte, überraschende Seiten des russischen Star-Komponisten (1840-1893) bemühen. So wirkte sein deutscher Verleger Daniel Rahter in Hamburg, wo auch Eugen Onegin erstmals in Deutschland zu erleben war. „Wir werden noch wagemutiger in Regionalbezügen“, macht Kuhnt neugierig. Was szenische (Ballett- oder Opern-) Aufführungen anbetrifft, äußerte sich Christian Kuhnt freilich eher zurückhaltend.

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 Dafür bestätigte der Intendant, dass Christoph Eschenbach als Principal Conductor der Ochesterakademie beim 30. SHMF in Büdelsdorf wieder mehr Präsenz zeigen wird und in einer Probenphase auch Festivalchor und -orchester vereinen wird: Geplant ist die Aufführung von Giuseppe Verdis „Requiem“ – für die Laien-Choristen ein echter, wuchtiger Höhepunkt. Nach dem großen und auch mutigen Zuwachs an Konzerten in diesem Jahr will sich der Intendant im kommenden ungefähr bei diesem Volumen einpendeln. Welcher Künstler das zweite große Leitmotiv 2015 bilden wird, soll erst später verraten werden – Cellistin Sol Gabetta hat hier Zeichen gesetzt und die Vielfalt ihrer 17 Konzerte auch selbst genossen: „Ich komme gern wieder“ schrieb sie, „es war eine wunderbare Zeit“.

 Das konnte Ministerpräsident Torsten Albig in seinem Resümee nur bestätigen. Er sprach am Sonntag von einem großartigen Festivalsommer, bei dem alles maßgeschneidert und für unser Land gestaltet“ gewesen sei – weshalb man ja schon fast von einem „Länderschwerpunkt Schleswig-Holstein“ sprechen könne. Die mutige Neu-Justierung auch mit Konzerten jenseits der „klassischen“ Musik habe sich ausgezahlt, 50 Prozent mehr Besucher als 2013 sprächen für sich. An weiterer Unterstützung durch das Land ließ Albig keinen Zweifel. Es kann mit Elan geplant werden.