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Kultur Axel Milberg auf Bachs Spuren
Nachrichten Kultur Axel Milberg auf Bachs Spuren
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12:48 01.08.2019
Von Oliver Stenzel
Tatort-Schauspieler Axel Milberg las im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals im "Kuhstall" aus dem Buch "Robinson Crusoe" von Daniel Dafoe und suchte dabei Schnittpunkte zur Persönlichkeit seines Zeitgenossen, des Komponisten Johann Sebastian Bach.
Tatort-Schauspieler Axel Milberg las im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals im "Kuhstall" aus dem Buch "Robinson Crusoe" von Daniel Dafoe und suchte dabei Schnittpunkte zur Persönlichkeit seines Zeitgenossen, des Komponisten Johann Sebastian Bach. Quelle: Detlef Dreessen
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Altenhof

Es zählt zum Schicksal des Fernsehserien-Schauspielers Axel Milberg, dass man ihn und seinen Bildschirmcharakter nicht mehr leicht auseinanderbekommt. Wenn Axel Milberg am Mittwochabend im Altenhofer Kuhhaus „Bach auf der Spur“ ist, fragt man sich daher unwillkürlich, wie der als Kieler Tatort-Kommissar Borowski bekannte Gast des SHMF 2019 diesen Fall wohl lösen wird.

Um sein Publikum bei der „literarisch-musikalischen Annäherung“ nicht mit Vorhersehbarem zu unterfordern, hat sich der 63-jährige Axel Milberg dafür entschieden, statt aus Grimmelshausens allzu nahe liegendem „Simplicissimus“ lieber aus Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ zu lesen. Durch sein Erscheinungsjahr 1719 passt auch dieser Klassiker zeitlich zu Bach. Inhaltlich stellt die Kombination ein Experiment dar, für das der Schauspieler eingangs die „Komplizenschaft“ seiner Zuhörer fordert.

Ein hochkonzentrierter Vortrag

Die seines musikalischen Begleiters Caspar Frantz ist ihm in jedem Fall sicher. Entspannt und klangblumig lässt dieser auf drei Barockgedichte, die Axel Milberg als literarische Amuse-Gueules verliest, Dieterich Buxtehudes „Suite Nr. 7 d-Moll BuxWV 233“ durch das dicht besetzte Kuhhaus tönen.

Danach steigt der Schauspieler in Defoes Roman ein, aus dem er im Laufe des Abends drei lange Passagen rezitiert. Wer die mitunter eher aus dem Ärmel geschüttelt wirkenden SHMF-Musiklesungen anderer Bildschirm- und Bühnengrößen im Hinterkopf hat, darf sich dabei über einen hochkonzentrierten Vortrag freuen, dessen Intensität sich der Dramatik der Auszüge entsprechend kontinuierlich steigert.

Atmosphärisch zieht Axel Milberg den Text dabei stark ins Reich seiner Stimme, macht ihn sich dabei ihn ähnlich selbstverständlicher Weise untertan wie der Protagonist des Buches sich seinen Diener Freitag.

Caspar Frantz - mit Leichtigkeit und viel Pedaleinsatz

Caspar Frantz spielt zwischen den Lesungen die „Sarabande“ aus Johann Sebastian Bachs „Französischer Suite Nr. 3 h-Moll BWV 814“ sowie ihre Geschwister „Nr. 1 d-Moll BWV 812“ und „Nr. 6 E-Dur BWV 817“ in ganzer Länge. Von einer historisch orientierten Aufführungspraxis weit entfernt, rückt der Pianist die Werke hier mit Leichtigkeit und viel Pedaleinsatz in die Nähe romantischer Salonmusik, was ihnen gar nicht schlecht bekommt.

Frantz’ kurzer Mendelssohn-Ausflug fällt vor diesem Hintergrund nicht weiter auf, knüpft vielmehr an die erweckte musikalische Grundstimmung an, die man mit voller Aufmerksamkeit genießen kann, sich aber auch gut als Klangkulisse für ein Sommerpicknick auf Gut Altenhof vorstellen könnte.

In summa dominiert bei den künstlerisch jeweils überzeugenden Darbietungen der Eindruck eines Nebeneinanders zwischen Text und Musik. Nach zwei Stunden erscheinen Bach und Crusoe weiterhin als Bewohner weit voneinander entfernter Inseln. In diesem Sinne führte die Spur des von viel Beifall begleiteten Abends zu zwei ganz unterschiedlichen Robinsonaden.