Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Klangschemen aus Kasachstan
Nachrichten Kultur Klangschemen aus Kasachstan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 27.08.2019
Die aktuelle Hindemith-Preisträgerin Aigerim Seilova erhält einen Kompositionsauftrag des SHMF für 2020. Jari Niesner würdigte in seiner Laudatio die vielschichtigen Klangwelten der Komponistin. Quelle: Axel Nickolaus
Anzeige
Büdelsdorf

Stolze dreißig Preisträger haben die SHMF-Ehrung im Geiste von Paul Hindemiths „Plöner Musiktag“-Wirken von 1932 inzwischen erhalten – und viele inzwischen sehr renommierte Namen finden sich an ihrem Karrierebeginn in der Liste: Wilhelm Killmayer war 1990 der allererste, Wolfgang von Schweinitz, Helmut Oehring, Olga Neuwirth, Matthias Pintscher, Thomas Adès, Jörg Widmann, Rebecca Saunders, Lera Auerbach oder David Philip Hefti folgten.

Hindemith-Preis überreicht von Ministerin Karin Prien

Am Montag kam mit Aigerim Seilova eine in Hamburg ausgebildete und wirkende Kasachin hinzu, deren Musik aufhorchen lässt. Die 1987 geborene Pianistin erhielt aus der Hand von Kulturministerin Karin Prien den mit stattlichen 20000 Euro dotierten Hindemith-Preis 2019.

Anzeige

Die beteiligten Stiftungen und Geldgeber

Das Land Schleswig-Holstein ist genau wie Hamburg an der Ausstattung des höchstdotierten deutschen Preises für Komponistennachwuchs beteiligt, der wesentlich von der Hindemith-Stiftung sowie der Rudolf und Erika Koch-Stiftung, der Walther und Käthe Busche-Stiftung und Gerhard Trede-Stiftung getragen wird.

Grußwort der Hindemith-Stiftung in der ACO Wagenremise

Das Engagement, wie Prof. Dr. Andreas Eckhardt von der Hindemith-Stiftung Blonay (Schweiz) in seiner pointierten Ansprache betonte, stelle sicher, dass die Zivilgesellschaft zumindest nicht deswegen verkümmere, weil sie sich nicht mehr anregend an neuartiger Kunst reibt. Dieser Satz passte wie die gesamte Veranstaltung einmal mehr perfekt in die ACO Wagenremise auf dem Nordart-Gelände der kunstsinnigen Familie Ahlmann.

Computeranalyse des Instruments Kobys

Seilova hatte für das 2014 komponierte Werk Baqsi via Computeranalyse die Klangfarben und Obertonspektren des schamanischen Zwei-Saiten-Streichinstruments Kobys durchleuchtet und in kunstmusikalischer Streichquartettbesetzung am Rande von Stille und Geräuscheffekten tatsächlich schemenhaft wieder hörbar gemacht.

Uraufführung des SHMF-Auftragswerks von Clara Iannotta

Das korrespondierte erstaunlich eng mit der Uraufführung der SHMF-Auftragskomposition für die Vorjahrespreisträgerin Clara Iannotta, Earthing – dead wasps (obituary) für Streichquartett und Transducer, die in elektroakustischer Überblendung und Energiewandlung die Randschwingungen von Saiten als Dauerrausch der urbanen Lebenswelt zum Thema hat.

SHMF-Konzert: Jack Quartet im Großeinsatz

Mit dem US-amerikanischen Jack Quartet war dafür ein maximal einsatzwilliger Klangkörper gefunden worden, der mit dem pizzicato-wütigen flare von 2010 auch noch an Dai Fujikura erinnerte – japanischer Hindemith-Preisträger des Jahres 2007. Prompt kam die spannende Frage auf: Wirkt dieses Zupfquartett mit seinen gestrichenen Klangumkehrungen musikhistorisch bereits ein Jahrzehnt oder gar eine Komponistengeneration älter?

Nils Mönkemeyer begeistert mit Hindemith

Staunen durfte man jedenfalls über den Übervater des Preises. Denn wenn sich wie hier ein Nils Mönkemeyer für Paul Hindemiths Solo-Sonate für Bratsche op. 25/I ins Zeug legt, wirkt sie trotz ihrer bald hundert Jahre herrlich aktuell, tatsächlich „frisch“ und „wild“ und zutiefst ausdrucksintensiv in den langsamen Passagen.

Mehr zum SHMF finden Sie auf unserer Themenseite.

Von Christian Strehk