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Kultur SHMF: Aufgeklärter Mendelssohn
Nachrichten Kultur SHMF: Aufgeklärter Mendelssohn
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19:46 14.08.2009
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Rendsburg

Wenn sich Gott endlich der verirrten Menschheit annimmt, sich sogar zu ihr herablässt, sind Sturmgebraus, Erdbeben und Feuersbrünste nur die Vorhut. Er selber erscheint lieber als „stilles, sanftes Sausen“, eines, das unter die Haut geht und in Herz und Hirn dringt. Felix Mendelssohn hat diesen und viele weitere schauerlich schöne Momente in seinem Elias ganz präzise auskomponiert. Zu hören sind sie bei Aufführungen nicht immer. Das ist auch kein Wunder, denn das chorsinfonische Oratorium verfehlt seine Wirkung auch dann nicht, wenn es mit dickem Pinsel gemalt wird und ganz auf mächtiges, alttestamentarisches Pathos geeicht ist.Rolf Beck setzt mit seiner Interpretation in der ausverkauften Rendsburger Christkirche jedoch nicht auf solch vordergründige Überwältigungseffekte. Er nimmt Mendelssohns Anweisungen todernst, pflegt die kleinen Widerhaken, erzwingt die notierten Tempo-Relationen und beachtet die dynamischen Stufen peinlich genau. Manchmal bis an die gefährliche Grenze des Statischen.Der kräftig und prächtig aufgestockte Festivalchor, dessen Tenöre am Donnerstag besonderen Glanz verbreiten und dessen Solo-Ensembles hohe Ansprüche befriedigen, skandiert dosiert, malt feine Linien und erlaubt sich wirklich nur an den vorgesehenen und gar nicht so zahlreichen Stellen das große Fortissimo-Brausen. Reines Schwelgen, opernhaft drängende Hitzigkeiten - nicht zugelassen, hinreißende Legato-Bögen und sinnliche Pianissimi sehr wohl.Die dennoch herbe Note des Ganzen wird wesentlich durch die instrumentale Begleitung mitbestimmt. Das Kammerorchester Basel hinterlegt dem Biblischen kein üppig waberndes Gewölk, sondern eine auffällig transparente, sehnig gespannte Klangkulisse, die mit „historischen“ Blechblasinstrumenten in der Bauart der Mendelssohn-Zeit und prasselnden kleinen Pauken pointiert, manchmal gar überraschend geräuschhaft modern tönt.Der Bassbariton Michael Nagy ist für die riesige Titelpartie eine Idealbesetzung: sonor in der Tiefe, völlig mühelos und geschmeidig in der oft exponierten Höhe, wenn nötig donnernd machtvoll, aber auch zu innig liedhafter, berührender Intensität im Leisen fähig. Der aufstrebende Sopran-Stern Simona Saturová lockt zauberhaft mal mit körperlosen Engel-Tönen, mal mit metallisch bohrender Präsenz. Für das deutsche Fach fehlt ihr, noch deutlicher als Sopran und Alt im Chor, aber das Wesentliche: die saubere Sprachdiktion. Hier ist ihr der klanglich wunderbar zwischen Geifer und Glauben differenzierende, bernsteinfarben schimmernde Mezzosopran von Janina Baechle weit überlegen. Auch Benjamin Bruns lässt seinen Tenor in sprachlicher Klarheit leuchten, selbst wenn seine Stimme hörbar mehr unter Druck steht als in der Kieler Serie der szenischen Johannes-Passion.Mit dem Stichwort Bach ist ein anderer Punkt berührt, der in Becks aufgeklärter Interpretation deutlich hervortritt: Mendelssohns musikgeschichtlicher Blick zurück nach vorn. „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig“, heißt es in dem vielleicht am allerschönsten gesungenen Chorsatz. Die Ovationen beim Heimspiel in Rendsburg belegen das Gelingen.

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