Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur „Geduld ist schon gefragt“
Nachrichten Kultur „Geduld ist schon gefragt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:10 28.08.2014
Von Christian Strehk
Thomas Hengelbrock hat am Donnerstag erstmals den neu formierten Festivalchor mit dem stark erweiterten NDR Sinfonieorchester zusammengeführt, um Felix Mendelssohns „Elias“ zu proben. Zum Abschluss des SHMF soll das dramatische Oratorium am Sonntag in der Sparkassen-Arena ähnlich üppig besetzt zur Aufführung kommen, wie bei der legendären Uraufführung 1846 in Birmingham. Die Instrumentalisten werden durch junge Musiker aus der Akademie des NDR erweitert und spielen mit verdoppelter Bläserbesetzung und Quelle: Axel Nickolaus
Anzeige
Kiel

In seiner Wahlheimat Berlin ist Fink außerdem als Assistent von Simon Halsey für die Profi-Sänger des weltweit renommierten Rundfunkchors Berlin zuständig. Im vergangenen Oktober studierte Fink sämtliche Chöre der opulenten Schönbergschen „Gurre-Lieder“ ein, mit denen Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker das 50-jährige Jubiläum der Scharounschen Philharmonie gefeiert hat.

Kieler Nachrichten: Herr Fink, was hat Sie dazu getrieben, sich von der blauen Wolke einer der besten Profichöre der Welt auf die grüne Wiese zu Massen von Amateur-Sängern herabzulassen?

Anzeige

Nicolas Fink: (lacht) Es ist ja nicht so, dass das ein Martyrium wäre ... Das Schleswig-Holstein Musik Festival hat einen großen, international ausstrahlenden Namen. Und in Sachen Festivalchor habe ich einen spannenden Neubeginn vor mir, einen Neubeginn der Chorkultur des Festivals. Vorher sangen ja auch in diesem Akademiesektor Profis. Ich finde aber die Idee, den Chor zu öffnen und nach Vorbild der englischen Festivalszene zu gestalten, ganz wunderbar. Da dabei zu sein, ist auch für mich eine große Ehre und Chance. Wir werden ja spürbar wahrgenommen. Es ist eben nicht irgendein Chor ...

Was ist denn der Unterschied zu der Arbeit mit Profis?

Das Tempo. Man muss Geduld mitbringen und manche Dinge vielleicht fünfmal wiederholen, bis es ankommt. Das würde man bei den Profis nicht akzeptieren. Das ist der Hauptunterschied. Und ansonsten gibt es natürlich bei Nicht-Berufssängern – und seien sie noch so gut – gesangstechnische Grenzen, die gesetzt sind. Gerade in Extremlagen, in der Höhe oder wenn es besonders laut oder besonders leise wird. Aber man kann mit Klangarbeit schon sehr viel erreichen. Und ich finde das Resultat, das wir jetzt schon haben, sehr beachtlich.

Das „Elias“-Oratorium ja keineswegs für Profis entstanden. Oder schrieb Mendelssohn für die Utopie eines optimalen Chores?

Genau das. So wie Bach auch. Aber ich mag die Diskussion um die Profi-Ansprüche in den Partituren eigentlich nicht. Im 19. Jahrhundert waren große Chöre begeisterter Bürger einfach Teil der Kultur, nachdem die kleineren Profichöre an den Höfen weitgehend verschwunden waren. Und heute möchte ich diese Bereiche nicht gegeneinander ausgespielt wissen. Es gibt allemal Aufgaben, die nur von einem Profiensemble geleistet werden können. Aber gerade der „Elias“ kann von Amateuren exzellent aufgeführt werden.

Hat man überlegt, Profis und Amateure zu mischen?

Nein.

Weil es nicht funktioniert?

Doch, das geht schon – auch klanglich. Eher, weil es nichts bringt. Es ist außerdem zu teuer. Und ich halte von solchen Mischformen, die ich zum Beispiel mit guten Ergebnissen auch in Norwegen aus eigener Anschauung kenne, nicht so viel. Mir ist das nicht so sympathisch, denn es ist letztlich für beide Seiten nicht angenehm: Der Profi rollt manches Mal mit den Augen und der Laie steht unter Druck.

Der neue Festivalchor erlebt unter Thomas Hengelbrock am Sonntag seine Feuertaufe in der Kieler Sparkassen-Arena. Wie wird es danach weitergehen?

Es geht auf jeden Fall weiter! Das nächste Großprojekt für den Festivalsommer 2015 ist aber noch nicht spruchreif. Der Sängerstamm bleibt, weitere dürfen sich gerne in einem Vorsingen bewerben.