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Kultur Delirium unter Kontrolle
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18:17 15.07.2019
Nur nicht aus der Kurve fliegen: Michael Sanderling probt in der Thormannhalle mit dem SHFO Berlioz. Quelle: Axel Nickolaus
Büdelsdorf

Nach 2014, 2016 und 2017 wieder sehr gern gesehen am Pult des erstmals komplett formierten Schleswig-Holstein Festival Orchesters probt er das erstaunliche Pariser Meisterwerk, das 1830 für manche Komponisten ein Tor aufstieß in die ungeahnte romantische Freiheit unmittelbar „nach“ Beethoven.

Berlioz als Wegbereiter der Tondichtung

Über Franz Liszt wird von hier ein direkter Weg zur Tondichtung von Richard Strauss führen, denn Klang-Experimentator Berlioz erzählt mit rein sinfonischen Mitteln ein „musikalisches Drama“ über einen jungen Musiker (ihn selber!), den seine unglückliche Liebe zu einer Ophelia (die irische Schauspielerin Harriet Smithson im damaligen Pariser Hamlet) via Opium-Delirium aufs Schafott und über das jüngste Gericht in einen höllischen Hexensabbat führt ... Eine sehnsüchtige Melodie geistert als „idée fixe“ durch die gesamte fünfsätzige Symphonie – auch das ein innovativer Roter Faden.

Sympathisch steng: Michael Sanderling

Michael Sanderling hat – mit der vom legendären und ebenfalls als SHFO-Dirigent engagierten Vater Kurt Sanderling ererbten sympathisch gestrengen Knappheit – die rhythmischen und dynamischen Schichten des wahnwitzigen Werkes im Blick. Da wird an der Länge von Auftakten geschraubt, an Lautstärke-Verhältnismäßigkeiten („In Takt 414 muss ich der Pauke leider sagen, dass sie da – anders als alle anderen – kein Fortissimo stehen hat. Also bitte Vorsicht!“), an der tollen Wirkung von bewusst gewählten Bogenspitzen-Unbequemlichkeiten oder am richtigen Timing von nachschlagend Drive schaffenden Pizzikato-Plopps in den Streichern.

Rasendes Tempo schon beim Proben

Im Orchester herrscht sichtlich Anspannung und auch mal Heiterkeit, das vom Dirigenten angeschlagene rasende Tempo ohne größeres Schleudertrauma zu packen. Ganz vereinzelt helfen dann doch mal Bilder im Kopf: das spöttisch „lachende Blech“ oder die Drogenrausch-Flucht vor dem Gewimmel „von Geistern, die einen alle erwischen wollen.“

52-jähriger Dirigent Sanderling

Vor allem aber hilft für Sanderling gute Organisation: Beispielsweise erreiche man den unaufhaltsamen Zug des dies irae-Finalthemas am besten, „wenn ihr Bläser an ganz unterschiedlichen Stellen atmet.“ Prompt klingt der Melodiestrom unwiderstehlich eindringlich. Der 52-jährige Dirigent hat in Dresden gerade nach einem Jahrzehnt seine Ära beendet – höchst ertragreich zum Beispiel mit einer bedeutenden Einspielung aller Schostakowitsch-Symphonien auf CD und dem lang ersehnten Neueinbau eines bereits vielgelobten Konzertsaales in den dortigen Kulturpalast („Ich werde die erste Note nie vergessen – der Klang, von dem wir geträumt haben ...“).

Grande Dame Elisabeth Leonskaja als Solistin

Mit Spannung darf man auch sein künstlerisches Gipfeltreffen mit einer Grande Dame der russischen Klavierschule erwarten. Die in Wien lebende Elisabeth Leonskaja, so etwas wie die zentrale Erbin von Tastenlegende Svjatoslav Richter, gilt in Sachen Johannes-Brahms-Repertoire als Koryphäe. Mit dem Festivalorchester, zusammengesetzt aus jungen Musikerinnen und Musikern aus 27 Nationen, wird die 73-Jährige das heißblütige d-Moll-Klavierkonzert op. 15 erarbeiten.

Die Daten für Proben und Konzerte

Proben in der ACO-Thormannhalle (Am Ahlmannkai, Büdelsdorf, Parkmöglichkeit am Einkaufszentrum „Rondo“) am 16. und 17. Juli 10-13 und 16-19 Uhr, Donnerstag 18. Juli 10-13 Uhr. Generalprobe am 18. Juli, 20 Uhr. Konzerte am 19. Juli und 20. Juli im Kieler Schloss und Deutschen Haus Flensburg. Tickets für GP und Konzerte: 0431 / 23 70 70. www.shmf.de

Von Christian Strehk

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