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Kultur Das große Glühen und eine fixe Idee
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15:32 20.07.2019
Poetisch glühender Brahms: Elisabeth Leonskaja als Solistin des Schleswig-Holstein Festival Orchestra unter Michael Sanderling Quelle: Axel Nickolaus
Kiel

Das ist die Kraft der Poesie. Wenn die 73-jährige Pianistin Elisabeth Leonskaja den Solo-Part im Ersten Klavierkonzert des 1854 gerade erst volljährigen Johannes Brahms im besten Sinne „ertastet“, könnte man theoretisch jugendlichen Überschwang vermissen. Aber so dicht und zugleich in allen Registerschichten so deutlich wie sie hier mit dem Maestoso-Gemisch von russischer Schule und Wiener Charme agiert und dabei überall rubinrot glühende Töne produziert, gibt es keine Defizite. Zumal Leonskaja imposanten Tastendonner lediglich genau dosiert für die Fortefortissimo-Schlusssteigerungen aufspart, im Finale ein aufregend waghalsig drängendes Tempo anschlägt, auch wenn dann mal ein paar Töne hängen bleiben.

Leonskajas lyrische Inseln

Das Schönste sind aber die lyrischen Inseln, die genau austariert verschobenen Akkordketten. So wie als Zugabe liebevoll samtweich Mozart von ihr zelebriert wird: die aus dem Kopfsatz der A-Dur-Sonate KV 331 herausgelöste fünfte Variation, eine der raren, aber besonders tiefsinnigen Adagio-Momente des Salzburger Genies.

SHFO als idealer Brahms-Partner

Das Schleswig-Holstein Festival Orchester ist unter der hellhörigen Leitung von Michael Sanderling ein idealer Partner bei Brahms. Weil die Talente ein „piano espressivo“ auf Zehenspitzen riskieren oder weil die Bläser beim Melodiesingen Leonskaja nicht nachstehen wollen. Dass gestandene Spitzenorchester hier und da an Nahtstellen oder in der Bläserschichtung aus langer Tradition heraus (noch) bessere Detaillösungen anzubieten haben – wen wundert’s nach vier Probentagen? 

Klangeffekt-Exzesse mit Berlioz' Symphonie fantastique

Nach der Pause hat Sanderling mit den jungen, zu jedem Sprung bereiten SHFO-Virtuosen genau die richtigen Partner unter den Händen, um die 1830 noch völlig neuartigen Klangeffekt-Exzesse des auch erst 26-jährigen Pariser Zauberers Hector Berlioz wirkungsvoll ins Rennen zu schicken. Dabei setzt seine Interpretation der Symphonie fantastique gar nicht übertrieben auf romantische Dramenmalerei, sondern bleibt – unmittelbar „nach“ und alternativ zu Beethoven – noch ganz stringent und notentextnah „klassisch“.

Delikate Sehnsüchte, schön inszenierte Landszene

Die „Woge der Leidenschaften“ schwappt im ersten Satz noch eher suchend umher, das wiederkehrende Thema der heiß, aber noch vergeblich geliebten irischen Schauspielerin Harriet ertönt als „idée fixe“ (nach der Obelix sein Hündchen benannte ...) mit delikat schlanker Sehnsüchtigkeit. Die Ball-Szene kennt keine geschmacksverstärkenden Herz-Schmerz-Drücker und Verzögerungen. Dafür sind die beiden Harfen hier links und rechts vom Dirigenten geschickt mit ihren Soli in den Vordergrund gerückt und der Echo-Dialog von Englischhorn und Oboe in der Natur ausgesprochen schön „inszeniert“.

Reserven für Hexentanz und "dies irae"

Wenn sich der an Liebe leidende Komponist dann zum Schafott geführt empfindet und im Drogendelirium schließlich Hexentanz und Jüngsten Tag durcheinander schmeißt, ruft Sanderling mit verstärkt besetzter Schlagzeug-Batterie die letzten Konzentrations- und Kraft-Reserven der brillanten Musiker aus aller Welt ab. Im ausverkauften Kieler Schloss begeistern so die Kunstgriffe und das Soundgewitter des französischen Propheten der Tondichtung das Publikum.

Weitere Aktivitäten des SHFO

Nach einer Kammermusik-Phase stehen die nächsten öffentlichen Tutti-Proben des SHFO ab 31. Juli an. Manfred Honeck erarbeitet in Büdelsdorf dann Schostakowitschs Erstes Cellokonzert (Solist: Kian Soltani) und Tschaikowskys „Pathétique“.

www.shmf.de/de/festivalorchester

Von Christian Strehk

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