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Kultur SHMF: Der Bariton Matthias Goerne - „Waches Publikum inspiriert mich“
Nachrichten Kultur SHMF: Der Bariton Matthias Goerne - „Waches Publikum inspiriert mich“
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18:34 19.08.2009
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Kiel

Sind Sie in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen?Zumindest hatte ich ein sehr musikalisch interessiertes Elternhaus. Vater und Mutter haben während meiner Kindheit am Theater gearbeitet. Dadurch war der Zugang zur Kunst allgemein, Theater, Oper, Ballett, ein ganz regelmäßiger.Wann war klar, dass Sie mit dem Singen Ihren Lebensunterhalt verdienen wollen?Das war klar, als ich angefangen habe zu studieren. Aber den Wunsch danach habe ich schon als Kind artikuliert. Ab dem elften Lebensjahr habe ich schon zu verstehen gegeben, dass ich mir vorstellen könnte, Sänger zu werden. Ich habe relativ viel im Kinderchor des Theaters vom damaligen Karl-Marx-Stadt gesungen. Das heißt, dass man in all diesen Opern wie La Bohème, Carmen und Aida, in denen Kinder gebraucht wurden, mitgewirkt hat. Das war eigentlich der Anfang meiner Karriere.In Ihrer Vita werden immer wieder Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf als zwei Wegbereiter ihrer Karriere genannt. Was haben Sie von den beiden gelernt?Eine Menge! Das lässt sich verkürzt gar nicht darstellen. Von der Haltung über rein sängerische Dinge bis zur Interpretation und Neugierde verschiedene Komponisten zu entdecken. Beide haben das letzte Jahrhundert geprägt wie ganz wenige andere Sänger. Daher waren es wirklich Wegbereiter, die genau das Repertoire widerspiegelten, das ich liebe. Ihren Erfahrungsschatz in diesem Fach nutzen zu dürfen, war eine große Chance für mich.Das Kunstlied führt ja eher ein Schattendasein im Musikbetrieb. Was fasziniert Sie an dieser Gattung?Ich würde nicht sagen, dass es ein Schattendasein ist. Vielleicht, wenn man von den Zuschauerzahlen ausgeht. Aber es ist von jeher eine Kunstform, die nicht für die Masse gedacht, geeignet und komponiert worden ist, sondern immer für einen kleinen, elitären, literarisch gebildeten Zuhörerkreis. Das zieht sich in der Aufführungsgeschichte hindurch. Nur ein kleiner Teil des Klassikpublikums interessiert sich für diesen speziellen Vokalbereich. Das ist auf der ganzen Welt so. Mich interessiert daran die Vielfältigkeit und Individualität, mit der sich ein Konzert gestalten lässt. Mich reizt die Möglichkeit, Programme aufgrund literarischer Vorgaben zusammenzustellen, die wie eine richtige Geschichte einen Anfang und ein Ende haben und zwischendrin Stimmungen erzeugen. So kann man ein neues, richtig geschlossenes Kunstwerk erschaffen. Aufgrund ihrer Zeitlosigkeit besitzen solche Programme nach wie vor eine Modernität. Das setzt aber voraus, dass man ein geschultes Ohr und eine breite Bildung hat. Sonst kann man die Schönheit und Einmaligkeit dieser Musikgattung nicht nachvollziehen.Heisst das, dass Sie mit dem momentanen Zuhörerkreis zufrieden sind oder möchten Sie mehr Menschen für das Genre begeistern?Nicht in dem Sinne, dass ich auf die Idee käme, in ein Stadion zu gehen, um dort meinen Liederabend zu singen. Ich halte es für völlig falsch auf Teufel komm raus Publikum zu vergrößern und der Masse auf kleinstem gemeinsamen Nenner entgegenzukommen. Das funktioniert nicht. Was möglich ist, ist mit guter Vorbereitung und Sinn machenden Programmen exzellente Konzerte zu singen. Das dezimiert den Zuhörerkreis nicht, sondern wird ihn zumindest halten. Ich glaube fest daran, dass sich durch Kontinuität Qualität durchsetzt.Warum haben Sie sich auf das deutsche Repertoire spezialisiert?Es ist das größte Repertoire, das es auf der Welt gibt. Da liegt es natürlich auf der Hand in dieses Riesenmaterial einzusteigen. Es gibt noch soviel vor der eigenen Haustür zu entdecken, bevor ich mich beispielsweise ans französische oder englischsprachige Fach wage.Sie haben im letzten Jahr die Plattenfirma gewechselt und sind von der großen Decca zu Harmonia Mundi gegangen. Wie wichtig ist die richtige Plattenfirma in diesem Geschäft?Für mich war ausschlaggebend, eine Plattenfirma zu finden, die die Möglichkeit hat, aufgrund ihrer Stammhörerschaft auch Projekte anzugehen wie zwölf Schubert-CDs aufzunehmen. Das ist gegenwärtig auf einem Markt, auf dem so viele kommerziellen Aspekte eine Rolle spielen, bei großen Firmen einfach nicht drin. Jetzt sind die Jahre, in denen ich so etwas aufnehmen möchte, und nicht erst in 20. Ich glaube, das ist ein gutes und wichtiges Projekt; demzufolge ist derjenige mein Partner, der nicht nur die Attraktion darin sieht, sondern den Wert des Projektes an sich erkennt.Ihr Partner am Klavier für dieses Projekt ist Christoph Eschenbach. Mit ihm kommen Sie am 23. August mit dem Programm „Träume der Liebe“ nach Kiel. Von jedem anderen Künstler hätte man erwartet, dass er seine aktuelle CD promotet. Warum nun Schumann und Brahms und was darf das Publikum erwarten?Das ist ein Programm, das wir schon eine Zeit lang immer mal wieder aufführen. Am Anfang machen wird drei Schumann-Lieder nach Heine-Texten. Dann kommt Opus 24 auch nach Heine-Texten und nach der Pause Brahms' Lieder op. 32 und Vier ernste Gesänge. Der Grund, dass wir keinen Schubert im Programm haben, ist, dass wir im nächsten Jahr drei Schubert-Zyklen machen werden. Das muss man natürlich gut terminieren. Auch organisatorisch müssen Christoph Eschenbach und ich gleichzeitig den richtigen Ort und die Zeit dafür finden. Außerdem passt unser Programm natürlich viel besser zum Länderschwerpunkt Deutschland als der Österreicher Schubert.Wieviel Einfluss hat das Publikum auf Ihre Auftritte?Ein richtig gutes Konzert funktioniert nur mit einem aufgeschlossenen, wachen Publikum, das mit Begeisterung und Konzentration dem Verlauf des Abends folgt und nicht nur unterhalten werden will. So ein Publikum stimuliert mich künstlerisch und lockt Dinge wie Spontaneität, Kreativität und Emotionen zum Vorschein.„Träume von Liebe“. Matthias Goerne, Bariton, Christoph Eschenbach, Klavier. 23. August, 19 Uhr, Kieler Schloss. Karten-Tel.: 0431-570470; www.shmf.de

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