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Kultur Elektrisierender Krimiabend
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00:30 24.07.2014
Von Christian Strehk
Foto: Der argentinische Tenor José Cura und die amerikanische Sopranistin Catherine Naglestad als Cavaradossi und Tosca.
Der argentinische Tenor José Cura und die amerikanische Sopranistin Catherine Naglestad als Cavaradossi und Tosca. Quelle: Nickolaus
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Der argentinische Tenor José Cura und die amerikanische Sopranistin Catherine Naglestad sind als Cavaradossi und Tosca nicht nur auf dem Programmzettel ein starkes Paar. Der 51-jährige Cura schüttelt charmant ein bisschen Schlick von den veristisch intensiv beanspruchten Stimmbänder und bietet dann ein Kaleidoskop an Farben – vom Latin-Lover über den flammenden Revoluzzer bis zum Weltschmerzkönner („E lucevan le stelle“) ist alles dabei. Auch Naglestad macht Emotionen in vielen Nuancen souverän hörbar.

Der deutsche Bassbariton Albert Dohmen wirkt eine Spur weniger elegant in der Gesangsspur, ersetzt als abgrundtief böser Polizeichef Scarpia aber letzte italienische Legatokultur durch mächtige Stimmstatur. Da auch die kleineren Partien erstklassig mit relativ jungen Sängern besetzt sind und ein weiteres Mal im SHMF Laienchöre (Johannes-Brahms-Chor und Mädchenchor Hannover) mit semiprofessionellem Anspruch und auswendiger Präsenz die naturgemäß teureren Profis glücklich vertreten, ist von einem Abend zu schwärmen, den man selbst an großen Opernhäusern längst nicht immer so gut geboten bekommt.

Besonderes Lob verdienen sich die Musiker der NDR Radiophilharmonie. Sie verabschieden mit einer elektrisierend plastischen, Puccinis reichhaltigen Raummusik- und Krimi-Effekten nachspürenden Interpretation ihren Chefdirigenten Eivind Gullberg Jensen. Der 42-jährige Norweger, seit 2009 in Hannover, will jetzt erst einmal frei arbeiten. Dass er dabei vor allem der Oper zustrebt, wundert nach seinem gekonnten Dirigat ebenso wenig wie die Tatsache, dass er als Gast in der niedersächsischen Landeshauptstadt auch in Zukunft gefragt ist. Auf der Chefposition folgt ihm nun mit dem britischen Geiger und Alte-Musik-Spezialisten Andrew Manze ein völlig andersartiger Dirigententyp. Aber es gibt ja auch noch andere Opern als Tosca.

 

Die halbszenische Aufführung in Hannover ist komplett über die NDR-Mediathek im Internet zu sehen (www.ndr.de/mediathek).