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Kultur SHMF: Eröffnung mit Neujahrsstimmung
Nachrichten Kultur SHMF: Eröffnung mit Neujahrsstimmung
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18:41 12.07.2009
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Lübeck

Doch bevor sich der 79-Jährige am Sonnabend in der ausverkauften Lübecker Musik- und Kongresshalle an die letzte Sinfonie seines Wahlverwandten macht, steht mit Richard Wagners Wesendonck-Liedern zunächst ein Appetizer auf dem Programm, in dem andere Musiktemperaturen vorherrschen. Denkbar schwül ist eigentlich die Atmosphäre dieser Lieder, in denen der Komponist fünf Gedichte seiner platonischen Geliebten Mathilde Wesendonck in Orchesterschwaden hüllte. Wer von Dohnányis Wagner-Einspielungen mit dem Cleveland Orchestra noch im Ohr hat, wird sich allerdings nicht wundern, dass die hier gar nicht erst aufziehen. Stattdessen lässt der Dirigent das NDR Sinfonieorchester mit großer Klarheit musizieren und serviert zumindest die ersten drei Lieder „on the rocks“.Dadurch schafft er zunächst einmal viel Raum für Yvonne Naef, die das schöne Metall ihres Mezzosoprans nun beeindruckend strahlen lassen kann. In Der Engel und Stehe still! gibt es herrliche Piano-Momente zu erleben. Die Kehrseite dieses Ansatzes zeigt sich auf der Orchesterebene jedoch spätestens Im Treibhaus: Während sich Naefs Nuancierungskunst hier weiter entfaltet, erscheint die Musik, derart parfumfrei interpretiert, schlichtweg etwas langweilig. Ein wenig irritierend wirkt, dass von Dohnányi im vorletzten Lied Schmerzen dann unvermittelt doch einmal richtig aufdreht. Und schade ist es, dass der entrückte Ausklang des letzten Liedes Träume durch einen Intonationspatzer im Blech einen allzu menschlichen Beiklang erhält.Ein wenig von dieser interpretatorischen Heterogenität kann man nach der Pause auch in Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 entdecken. Dies fällt umso mehr auf, da sich gerade im Hinblick auf die Sinfonien des Komponisten sonst kaum ein stilsicherer Dirigent finden lässt als Christoph von Dohnányi. Von diesem Experten ist man Lesarten gewohnt, die ihre Eleganz vor allem durch den Verzicht auf jedwede Extreme entwickeln. Bestimmte, aber keinesfalls rasante Tempi und ein Klangbild von amerikanischer Poliertheit: Dies sind die wesentlichen Mittel, die er auch am Sonnabend einsetzt. Aber dazu treten an diesem Abend immer wieder grimmig wirkende Passagen. Andere, auf Originalklang ausgerichtete Maestros bestreiten so durchaus eine ganze Sinfonie. Hier jedoch wirkt diese immer nur punktuell aufkommende Bissigkeit eher unintegriert und entfacht im Orchester eine Energie, die von Dohnányi stets wieder zügelt.Im Finale setzt dann Ren Pape seinen Bass kraftvoll ein, ohne die Poesie seines Parts außer Acht zu lassen. Der in den letzten Jahren spürbar kräftiger gewordene Sopran von Michaela Kaune mischt sich schön und natürlich mit Naefs reizvoll matt schillerndem Mezzo. Und auch der Tenor Kor-Jan Dusseljee entwickelt viel Inbrunst, jedoch mitunter nicht genug Lautstärke. Vom Bühnenhintergrund rollen derweil mitreißende Chorwogen von NDR Chor (Einstudierung: Philipp Ahman) und Dänischem Rundfunkchor (Einstudierung: Fredrik Malmberg) in Richtung Publikum, das sich zum Schlussapplaus bereitwillig von den Sitzen reißen lässt. Das „Heimspiel“ hat begonnen. Da passt es nicht schlecht, dass zu seinem musikalischen Auftakt Sekt und nicht Champagner floss.

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