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Kultur Magier und Kumpel
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18:08 14.07.2019
Innige und virtuose Bach-Dialoge: Nigel Kennedy (li.) mit dem jungen SHFO-Geiger Mostafa Saad. Quelle: Axel Nickolaus
Neumünster

Obendrein konnte man den Vollblutmusiker Kennedy als Jazzpianisten erleben, der gelegentlich den Steinway-Flügel rockte, um umgehend wieder zur Guarneri oder gar zur E-Violine zu greifen – Action and Entertainment gepaart mit Können und Hingabe!

Bachs Doppelkonzert sehnig brillant

Was beim flippigen Briten oft lässig und luschig aussah, bekam bei Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-Moll BWV 1043 strenge Form und musikalische Stringenz. Kennedy hatte das recht üppig besetzte Festivalorchester auf sehnige Brillanz und klangliche Durchlässigkeit getrimmt und lieferte bei moderater Rasanz, aber knackiger Attacke einen adäquat fordernden Sound.

Nigel Kennedys junger Duopartner

Dazu hatte er im jungen Mostafa Saad einen vorzüglichen Duopartner, dessen dunkel timbrierter Violine wunderschön mit Kennedys obertonreicher Guarneri kontrastierte. Die beiden perfekt miteinander harmonisierenden Musiker teilten sich nicht nur das musikalische Material ihren Stimmen, sie ließen diesen Dialog auch zu einem optisch wie musikalischen Umkreisen des Partners mutieren. Hinreißend das Largo, das ihnen und dem hellwachen Orchester zu einem Innehalten in melancholischer Resignation geriet. Natürlich brodelte das abschließende Allegro voller stürmischer Energie, der Kennedy bei Bedarf mit unüberhörbarem Aufstampfen neuen Auftrieb verlieh.

Nigel Kennedys Eigenkomposition

Einen völlig anderen Kennedy erlebte man anschließend in seiner eigenen Komposition The Magician of Lublin, die er in Anlehnung an den gleichnamigen Roman von Isaac Bashevis Singer als jazzig-groovendes Violinkonzert mit allerlei Klezmer-Zitaten und orientalischen Harmonien angereichert hat. Mostafa Saad war dabei für‘s Orientalische zuständig, während Kennedy und fünf langvertraute Musikerkumpels sich zur veritablen Jamsession-Combo auf zeitweiligem Streicher-Background zusammenfanden. Bei aller spontanen Musizierfreude nebst kuriosen Einfällen ließ sich nicht überhören, dass hier manches etwas zerfranzte und aus dem Ruder zu laufen drohte.

Gershwin-Medley

Ähnliches konnte man nach der Pause beim Gershwin-Medley vernehmen, wo Kennedy zwar passgenau auf den Spuren des berühmten Jazzviolinisten Stéphane Grappelli wandelte, aber streckenweise sich in verquere Sackgassen verlief.

Bach als Zugabe

Gegen 23.30 h war‘s Zeit für die stürmisch geforderte Zugabe: ein nochmals konzentriert servierter Bach als letzter Beweis für Kennedys ungebrochene musikalische Exzellenz!

Von Detlef Bielefeld

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