Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Latvian Voices und die Macht des Gesangs
Nachrichten Kultur Latvian Voices und die Macht des Gesangs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:30 29.07.2013
Von Beate König
Satte Klangfarben, ausgereifte Technik: die Latvian Voices. Quelle: Nickolaus
Anzeige
Plön

Satte Klangfarben, ausgereifte Technik, und ein ganz eigener Zugang zu Barock, Folk, Moderne, Pop und Jazz – dass ihre A-cappella-Musik preisgekrönt ist, erzählte schon der erste, jubelleichte Ton von You are the New Day von John David.

 Die Sieben beherrschen die Kunst des Blendings, mixen klug alte Harmonien mit moderner Gesangstechnik: Statt für die Volkslieder den Stimmsitz weit vorn für tragfähige, aber oft auch sehr direkte Töne zu wählen, veredelten die Sängerinnen den Klang mit einer durchweg kultivierten Grundstimmung. Ergebnis: hochkarätige Musik, allerdings durch die nachvollziehbaren Mainstream-Zugeständnisse an die Ohren der Zuhörer bei aller Wärme und Vitalität im Ton leider etwas gleichförmig. Präsenz, Pracht und überwältigender Glanz entströmten dem Rutoj saule und dem Dindaru dandaru. Im Schulterschluss gingen die Sieben dabei aufs Publikum zu. Eine Mauer aus Menschen, die im Protest zusammensteht. – So sehen musikalische Kampfansagen ans Regime aus. Wie Streithähne im Wortduell sangen sich die Frauen die Themen des Bach-Präludiums c-Moll, BWF 847, aus dem Wohltemperierten Klavier zu und erlaubten einen Blick in ihre Trickkiste. „Wir haben uns vorgestellt, dass das Präludium eine Geschichte erzählt.“

Anzeige

 Auch transparente Porzellanmalerei gehört in die Arrangements der Powerfrauen. Duftig hingetupft, zart wie Harfentöne, klingt I still haven’t found what I’m looking for von U2. Der Song hat die luftige Qualität eines Soufflés. Ob man das tragische Lied über unerfüllbare Sehnsucht so weichgespült mag, bleibt gleichwohl Geschmackssache.