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Kultur Gelockerte Etikette vor noblem Herrenhaus
Nachrichten Kultur Gelockerte Etikette vor noblem Herrenhaus
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00:35 30.07.2014
Von Karsten Leng
Foto: Musik und Sonnenschein: Lysander Spellissy (links) und Chiara Werner genießen das Muiskfest auf dem Lande auf dem Rasen vor dem Herrenhaus von Gut Emkendorf.
Musik und Sonnenschein: Lysander Spellissy (links) und Chiara Werner genießen das Muiskfest auf dem Lande auf dem Rasen vor dem Herrenhaus von Gut Emkendorf. Quelle: Leng
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Emkendorf

Der riesige Vorplatz vor der Konzertscheune wirkte verlassen. Wo früher luxuriöse Zelte standen, in denen kulinarische Köstlichkeiten angeboten wurden und mit Champagner-Gläsern auf ein fröhliches Musikfest angestoßen wurde, herrschte am Sonnabend gähnende Leere. Nur im Eingangsbereich am ehemaligen Kuhstall lud eine rustikale Open-Air-Gastronomie zum Verweilen ein. Wer es etwas stilvoller haben wollte, kehrte in das Kuhstall-Restaurant ein.

 Nach wie vor gehörte die Musikwerkstatt für Kinder zum Angebot des Musikfestes. Es richtete sich an Konzertbesucher, deren Nachwuchs sich unter der liebevollen und fachkundigen Betreuung von zwei Musikpädagogen auf eine rhythmische Abenteuerreise machen wollte. Tosenden Applaus erhielt das Kinder-Orchester vom Publikum, als es am späten Nachmittag auf der Bühne in der Konzertscheune seine Percussion-Sinfonie zelebrierte. „Das hat tierisch Spaß gemacht“, berichteten Lotte Schmidt und Caroline Kröger, obwohl sie vor dem Auftritt vor Lampenfieber schlotternde Knie gehabt hätten.

 Das äußere Erscheinungsbild der Besucher hat sich über die Jahre sehr verändert. In den vergangenen Jahren war es noch Usus, dass die weiblichen Gäste in sommerlichen Kleidern, die Herren in dünnen Anzügen mit Strohhüten auf dem Kopf auf den Wegen rund um das Gutshaus flanierten. Jetzt am Sonnabend und Sonntag sah die Konzertgemeinde, die es sich beim Picknick auf dem Rasen vor dem frühklassizistischen Herrenhaus gemütlich gemacht hatte, eher aus, als wenn alternativ ein Besuch am Ostseestrand erwogen worden war.

 „Ich finde es gut, dass sich die Etiketten hier über die Jahre gelockert haben“, meinte Ingo Kluge aus Neumünster. „Das ist viel entspannter, als wir befürchtet hatten“, lobten auch Chiara Werner und Lysander Spellissy. Das junge Pärchen war zum ersten Mal zu einem Musikfest gefahren.

 Woran sich an dem Musikfest aber nichts geändert hat, ist die musikalische Klasse der Konzerte. Den Auftakt machte die noch junge Pianistin Danae Dörken mit einer fantastischen Interpretation der Mondschein Sonate von Beethoven. Das Abendkonzert am Sonnabend mit dem Ausnahmepianisten Martin Stadtfeld geriet zu einem Rausch der Sinne, seine Interpretationen von Bach’schen Kompositionen wurden in der Konzertscheune zurecht mit Ovationen gefeiert.