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Kultur Nächtliche Magie am Flügel
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14:03 23.08.2019
Flüsterleise Versunkenheit: Jan Lisiecki zelebriert Bach, Schumann und Ravel wie aus einem Guss. Quelle: Axel Nickolaus
Büdelsdorf

Schon sein Beitrag zum Bach-Schwerpunkt lag weit außerhalb des Gängigen. Der Kanadier versetzte den Abschiedsgesang des ganz jungen Barockmeisters für einen „innig geliebten Bruder“, das Capriccio B-Dur BWV 992, in ein melancholisch gedämpftes, spieltechnisch sagenhaft unter Kontrolle gebrachtes Halbdunkel.

Nachtstücke aus drei Epochen

Auch wenn die – lediglich zu seinem eigenen Ärger zweimal angesetzte – Schlussfuge energischer aus diesem heraustritt, passte das wunderbar zu den betont ins trügerische, romantische Mondlicht getauchten Nachtstücken op. 23 von Robert Schumann und Maurice Ravels Gaspard de la nuit.

Magie des Pointillismus

Hier wie dort blieb alles gedeckt, wurden Akkorde genauestens austariert, waren Melodiezüge innig modelliert, huschten die Harfenläufe gespenstisch schwerelos, läutete die Totenglocke fahl im Wind. Bach, Schumann, Ravel – alles hochsensible Magiere des Pointillismus.

Entrückt und bizarr: Chopin

Der erst 24-jährige Pianist hat später daran erinnert, als er Chopins e-Moll-Nocturne op. posth. 72 Nr. 1 und vor allem den Mittelteil aus dessen h-Moll-Scherzo auch in den Status der Entrückung versetzte, während die Rahmenteile von letzterem ungewöhnlich irrlichtig bizarr aufblitzten.

Jan Lisiecki mit Pranke

Dass Lisiecki auch „Pranke“ hat, wenn er denn will, bewies er in Rachmaninows fünf Morceaux de fantaisie op. 3. Da brachte er den Steinway-Flügel voll in Wallung, ohne bei aller Wucht auch nur eine einzige Verhärtung zuzulassen. Ein einziger Sog: Die Bassfigur im cis-Moll-Prélude mag als Beispiel dienen, da sie trotz Glockenschlag-Impetus kein einziges Mal starr oder gleich erschien.

Die Zugaben

Als Zugaben zelebrierte Lisiecki Schumanns überall in Bewegung und Abstufung gehaltene Träumerei und das Venezianische Gondellied aus Mendelssohns Liedern ohne Worte op. 19 Nr. 6.

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