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19:09 15.08.2019
Katzenhaftes Zusammenspiel: Janine Jansen und Sir Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra. Quelle: Axel Nickolaus
Neumünster

Und Jansen hat sich und ihrer leuchtend triumphierenden Stradivari dafür tatsächlich besonders exquisite Partner gewünscht. Das London Symphony Orchestra, hier schon für ihren Lübecker Auftritt in höchsten Tönen gelobt, erweist sich auch in der Mehrzweckhalle als Edelklangkörper.

Perfekter Vermittler: Sir Simon Rattle

Sein Chefdirigent Sir Simon Rattle ist nicht nur im berühmten Solokonzert ein perfekter Vermittler zwischen der Geige und dem Kollektiv. Er ist schon bei Joseph Haydns eigenwilliger, für Paris entstandener D-Dur-Sinfonie Nr. 86 ein Animateur par excellence.

Haydns Gedankenblitze

Nicht von oben herab, sondern mittendrin im orchestralen Geschehen sorgt er mit bloßen Händen und diversen Gesichtsausdrucksvarianten für explosive Gedankenblitze und maximal feinsinnige Verknüpfungen. Gewitzter, durchsichtiger, effektvoller kann man die innovativen sinfonischen Ideen des burgenländischen Hofkapellmeisters wahrlich nicht darstellen.

Samtweiche Qualitäten: London Symphonie Orchestra

Das LSO hat es in der Halle natürlich schwerer als in der Lübeck MuK, seine brillanten und samtweichen Qualitäten darstellen zu können. Aber man genießt auch hier das gerundete Blech, die sämig fließenden Holzbläsertöne, das homogene Gewebe der Streichergruppen.

Perfekt abgestimmtes Gewoge: Rachmaninows Zweite

Sergei Rachmaninows Zweite Symphonie e-Moll braucht genau das: ein perfekt abgestimmtes Gewoge, reiche Interaktion in der großen Besetzung.

Feuerwerk und Walzerfest mit Rattle

Rattle vermag vielleicht nicht alle ausschweifenden Überlängen des im Kern allemal meisterlichen Dresdner Werks zu übertünchen. Aber er lässt auch keine Unarten zu, keinen Kitsch, kein Gedröhne. Der zweite Satz ist in maximal möglichem Tempo ein Feuerwerk, seine Mittelpartie ein himmlisches Walzerfest. Das Adagio nimmt zwar Hollywood vorweg – besetzt hier aber alle schwelgenden Rollen mit Filmstars erster Güte. Und das Finale ist wohldosiert gesteigert, nimmt die Hörer in Wellen bis zum großen Tusch mit.

Interaktion im Orchester macht Spaß

Es macht großen Spaß in das Orchester hineinzuschauen. Mit Rattle erfüllen die Londoner, die wegen des drohenden Brexits bereits einen schmerzlichen Rückgang hochqualifizierter internationaler Bewerber für frei werdende Stellen spüren, Lenny Bernsteins Maxime „Let’s make music as friends“.

Die Zugaben von Jansen und vom LSO

Als Zugabe begeistert Janine Jansen, indem Sie sich mit dem LSO-Konzertmeister zu einem amüsant verspielten Violin-Duo in Béla Bartóks Pizzicato und Tanzlied zusammenfindet. Und Rattle breitet mit Eric Saties Gymnopédie noch einmal britisches Klangbrokat aus.

Von Christian Strehk

Janine Jansen und Sir Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra in Lübeck und Neumünster.
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