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Kultur Alle Register des Kantatenschaffens
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16:23 18.07.2019
„Unser Mund sei voll Lachens“: Dirigent Ton Koopman, hier jüngst bei einer Probe mit dem Festivalorchester. Quelle: Axel Nickolaus
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Rendsburg

In Rendsburg wurden nämlich einmal mehr sowohl die Verfechter stilreiner Alte-Musik-Pflege als auch die Genießer von glanzvollem Barock glücklich gemacht.

Weites liturgisches und weltliches Spektrum

Koopman kombiniert am Sommerabend ganz unbeschwert aliturgisch die Weihnachtskantate Unser Mund sei voll Lachens mit Passionsmusik in Herr Jesu Christ, um das gesamte Genialitätsspektrum des Thomaskantors zwischen Trompetengeschmetter und Büßerhaltung aufdecken zu können. Hier das Halleluja, dort die von der kurzfristig eingesprungenen Sopranistin Elisabeth Breuer hinreißend innig gesungene Sterbewunsch- und Auferstehungsarie Die Seele ruht in Jesu Händen.

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Klangpracht: Amsterdam Baroque Orchestra & Choir

Nach der Pause legten die Amsterdam Baroque Ensembles noch an Präzision, Spielfreude und Klangpracht zu, denn es ging in dritter Dimension opernnah und wahrhaft Geschwinde um den köstlich gestelzten Streit zwischen Phoebus und Pan. In seiner Freiluftkantate zog Bach alle Register, um 1729 bei der Übernahme des Collegium musicum auch weltlich in Leipzig aufzufallen.

Koopmans exquisites Sängerensemble

Koopman hat nicht nur im Orchester wunderbare Solisten für weich flutende Flöten- oder flammende Trompetensoli, er kann auch auf ein exquisites Sängerensemble zählen. Altmeister Klaus Mertens liefert sich als knorriger Phoebus mit dem kernigen Jungspund Andreas Wolf als aufgeblasener Pan einen Bass-Duell. Der Counter Maarten Engeltjes und der Tenor Tilman Lichdi agieren als leuchtend sprachmächtige Vermittler. William Knight muss nur noch ein paar Grate an seiner deutschen Aussprache wegfeilen, alles andere ist bestens in Schuss.

Wirbelnde Winde: 20-köpfiger Chor

Hervorragend, gerade in den wirbelnden Winden des BWV 201, singt der 20-köpfige Chor mit seinen mühelos höhensicheren Sopranen, den durch zwei Counter reizvoll angeschärften Alti, dem glasklaren Tenor und dem soliden Bassfundament. Anders geht bei Bach immer, besser aber nicht.

Vor kurzem hatte Ton Koopman eine Arbeitsphase des Schleswig-Holstein Festival Orchester geleitet.

Weiteres zur Kultur in der Region lesen Sie hier.

Von Christian Strehk

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