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Kultur Kino und Konzert in packender Symbiose
Nachrichten Kultur Kino und Konzert in packender Symbiose
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17:29 17.08.2014
Von Thorsten Richter
Breitwand-Feeling in der Holstenhalle Neumünster. Quelle: Nickolaus
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Neumünster

„Das erste Mal werden wir hier heute Abend nicht schwitzen“, verspricht Festival Intendant Christian Kuhnt vor der Vorstellung und bezieht sich dabei auf die neu gestaltete und jetzt vor allem auch gut klimatisierte Halle 1 des Veranstaltungskomplexes. Eine bessere Premiere als die West Side Story freilich konnte man sich für die aufwendig modernisierte Spielstätte kaum wünschen. Der Hollywood-Musical-Meilenstein in der Regie von Robert Wise und Jerome Robbins auf einer Großbild-Leinwand, die den Namen auch verdient, und dazu das auf höchstem Niveau musizierende Festival-Orchester. So schlugen die Herzen des Publikums in der nahezu ausverkaufen Halle also nicht nur aufgrund der berührenden Geschichte des Films – der ja bekanntermaßen eine im New York der 50er Jahre angesiedelte Neu-Interpretation von William Shakespeares ewiger Liebes-Tragödie Romeo und Julia ist – deutlich höher.

 Die Begeisterungsstürme und stehenden Ovationen am Ende des dreistündigen Abends galten in erster Linie dem prachtvollen, ausdifferenzierten aber auch einfühlsamen Spiel des jungen, etwa 100-kopfigen Klangkörpers. Leonard Bernstein vermischte den damals modernen „progressiven“ Jazz und seine ausgeprägten Synkopen und Dissonanzen mit Oper, lateinamerikanischen Rhythmen und amerikanischer Unterhaltungsmusik zu einem bezwingenden und bis heute gültigen Ganzen.

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 Unter der dynamischen Leitung des amerikanischen Filmkomponisten und Dirigenten David Newman (Sohn des neunfachen Oscar-Gewinners Alfred Newman und selber mit einer Oscar-Nominierung für den Zeichentrickfilm Anastasia geehrt) brachten die Nachwuchsmusiker diese stets mitreissende, facettenreich funkelnde Komposition zur vollen Blüte. Und auch wenn in einigen Tutti die adolescente Wucht aus dem Graben drohte, das Geschehen auf der Leinwand kurzzeitig aus den Angeln zu heben, war die akustische Ausgewogenheit zwischen Live-Begleitung und den originalen Dialogen und Liedern des Films verblüffend. Das lag nicht zuletzt daran, dass es durch ein technisch ausgetüffteltes Verfahren mittlerweile gelingt, orchestrale Elemente auf der Tonspur eines Films zu erkennen und zu entfernen, während alles andere zu hören bleibt. Werden diese Leerstellen nun durch ein Live-Orchester besetzt, können Kino und Konzert wie in diesem Fall eine packende Symbiose eingehen.

 Vor achtundzwanzig Jahren initiierte Leonard Bernstein im Rahmen des SHMF die Orchesterakademie mit dem Festivalorchester. In Anwesenheit seines Sohnes Alexander Bernstein bedankte sich das Festival nun mit einem ganz großartigen Abend bei dem Menschen, Mentor und Meister.