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Kultur Barto bot hinreißende Pianokultur
Nachrichten Kultur Barto bot hinreißende Pianokultur
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01:03 31.08.2014
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Tzimon Barto kultiviert es gelegentlich ganz gern: das Klischee des muskelbepackten Bodybuilder-Virtuosen. Quelle: fpr: Frank Peter (Archivbild)
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Hamburg

Das lässt die Hörer gebannt lauschen und versetzt sie in Begeisterungsstürme. Nach gesanglich-verträumtem und doch vom ersten Ton an spannungsgeladenem Beginn scheut sich Barto nicht, sein Spiel immer wieder fast kammermusika­lisch ins Gustav Mahler Jugendorchester zu integrieren und tastend, wie improvisiert, in gleichberechtigten Dialog mit den Streichern zu treten.

Erst nach und nach enthält der erste Satz (Andante) Steigerungen in Dynamik und Temperament – die von Barto stets pointiert und nie übertrieben umgesetzt werden. Auch das Rondo des zweisätzigen Werkes enthält blitzschnelle Charakterwechsel zwischen schlagwerkunterstütztem Swing, sphärischen Strei­ch­ermelodien, hochvirtuosen und gesanglichen Klavierpassagen, bevor es schließlich im Pianissimo-Dialog zwischen Streichern und Klavier quasi im Nichts verfliegt.

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Dass sich Barto und Eschenbach blind verstehen, wird wieder einmal deutlich. Und auch das Gustav Mahler Jugendorchester wird seinem Ruf als weltweit führendes Jugendorchester vollkommen gerecht. So gibt es enthusiastischen Applaus für Werk und Interpretation – und als Solozugabe Schumanns zarte Mignon aus dem Album für die Jugend. Ebenso überzeugt Tschaikowskys 5. Sinfonie. Nicht nur an den fantastischen Solo-Bläsern im Andante cantabile (vor allem die Hornsoli erklingen wohl selten so perfekt!) kann sich manches Profiorchester ein Beispiel nehmen. Es ist herrlich zu sehen und zu hören, mit wie viel Leidenschaft und Engagement die jungen MusikerInnen unter Eschenbachs souveräner und erfahrener Hand bei der Sache sind. So strotzt die Interpretation vor klanglicher Opulenz, schicksalsträchtiger Unerbittlichkeit – aber auch dem Tschaikowsky-typischen Walzerschmelz. Erneut frenetischer Applaus – und Tschaikowskys Polonaise aus der Oper Eugen Onegin als Zugabe.