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Kultur Besuch aus zwei Hansestädten
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19:00 24.08.2014
Von Oliver Stenzel
Sabine Meyer und Dirigent Markus Stenz waren zu Gast im Kieler Schloss. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Wie bei allen SHMF-Konzerten ist das Kieler Schloss auch am Sonnabend ausverkauft. Mit der in Lübeck lehrenden Klarinettistin Sabine Meyer und dem Hamburger NDR Sinfonieorchester sind die im Lande häufig zu hörenden Gäste des Abends gewissermaßen aus der Nachbarschaft angereist. Und wie stets zeigt sich der Klangkörper des NDR bei einem Festivalkonzert von seiner besten Seite. Dazu trägt auch Markus Stenz’ ebenso entspanntes wie forderndes Dirigat bei: Zum Einstieg präsentiert Kölns Generalmusikdirektor eine delikate Version von Mendelssohns Konzertouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27: Konzentriert baut er die auf ein Gedicht Goethes Bezug nehmende Komposition auf und entwickelt ihre Dynamikwechsel mit schöner Natürlichkeit.

 Mit Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 f-Moll op. 73 steht danach eine große Spezialität Sabine Meyers auf dem Programm. Bereits Mitte der Achtzigerjahre legte sie bei EMI eine Referenzeinspielung dieses Werkes vor, die ihre Gültigkeit bis heute bewahrt hat. Fast drei Jahrzehnte später kann die Klarinettistin an deren Niveau nahtlos anschließen. Ihr kerniger Klarinettenton, ihre stets hellwach entwickelte Lyrik auf dem Instrument, ihre überwältigende Technik: Das sind die Zutaten, mit denen Meyer dieses Virtuosenkonzert mühelos meistert und den Hörer insbesondere mit ihren Parcours durch die rasanten Arpeggien, Triller und Skalen seines Finales den Atem raubt. Das NDR Sinfonieorchester, der Solistin spürbar herzlich zugetan, verbindet sich dicht und homogen mit ihr und zeigt sich auch in der Hochgeschwindigkeitspassagen des Werkes gut in Form. Großer Applaus für die Weltklasse-Musikerin aus der Hansestadt, die sich mit dem Menuetto aus dem Webers Klarinettenquintett B-Dur, op. 34 eindrucksvoll verabschiedet.

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 Mit Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 „Rheinische“ bleibt die positive musikalische Grundstimmung des Konzerts auch nach der Pause erhalten. Zwar zeigt sich das Sinfonieorchester nun etwas routinierter und zuweilen auch zerstreuter. Doch Markus Stenz gelingt insgesamt auch hier eine ein vitale Lesart der frohsinnigen Sinfonie, indem er erfolgreich ihre Klangtiefe auslotet, viel Dampf macht und ihre stillen Momente klangsinnlich auskostet. Ein runder, von viel Applaus begleiteter Abend mit regionaler Färbung.